Panorama

Suche nach Coronavirus-Ursprung WHO: Laborunfall "sehr unwahrscheinlich"

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Die WHO-Experten bestätigen in ihrem Bericht die Annahme, dass das Coronavirus über Fledermäuse zum Menschen gelangte. Diese wurden auf Märkten wie hier in Indonesien, aber auch im chinesischen Wuhan, lebend verkauft.

(Foto: AP)

Mehrere Wochen forschen Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO in China nach dem Ursprung des Coronavirus. Nun legen sie einen Bericht vor - darin erteilen sie der Labortheorie eine Absage. Eine Übertragung von Tieren auf den Menschen sei wahrscheinlicher.

In ihrem Bericht zur Expertenmission im chinesischen Wuhan geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Übertragung des neuartigen Coronavirus auf den Menschen durch ein Zwischenwirt-Tier aus. Von der Fledermaus sei der Erreger "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich" auf ein anderes Tier und von diesem auf den Menschen übergegangen, heißt es in dem in Genf vorgelegten WHO-Bericht. Die These, das Virus sei aus einem Labor entwichen, wurde hingegen als "extrem unwahrscheinlich" bezeichnet.

Erst dieses Jahr im Januar durfte ein von der WHO zusammengestelltes internationales Expertenteam nach Wuhan reisen. Die Experten kamen nach mehrtägiger Verzögerung Mitte Januar in der chinesischen Millionenmetropole an. Nach einer zweiwöchigen Quarantäne hatten sie nur noch knapp zwei Wochen Zeit für ihre Nachforschungen.

Bei der Abschluss-Pressekonferenz am 9. Februar in Wuhan wurde bereits klar, dass die internationalen Fachleute den Ursprung der Pandemie nicht eindeutig bestimmen können. In ihrem Bericht werden sie aber die wahrscheinlichsten Übertragungswege darlegen und womöglich andere Hypothesen als unwahrscheinlich aussortieren.

Schon vor der WHO-Mission in Wuhan herrschte in der Wissenschaft weitgehend Einigkeit, dass Sars-CoV-2 ursprünglich bei Fledermäusen auftrat und über ein anderes Tier auf den Menschen übersprang. Welche Tierart als Zwischenwirt fungierte, ist aber unbekannt. In Proben von Zehntausenden Wild-, Haus- und Nutztieren wurden keine Spuren des Erregers gefunden.

Vorverurteilung bei Trump, Skepsis bei Biden

Die USA haben immer wieder die Befürchtung geäußert, der WHO-Bericht könne nicht alle Erkenntnisse und Hinweise offenlegen. Die bis Januar amtierende Trump-Regierung warf der WHO gar vor, eine Marionette Chinas zu sein. Peking hebt hingegen hervor, dass die WHO-Mission in Wuhan nur dank Chinas wissenschaftlicher Zusammenarbeit möglich gewesen sei.

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Die Regierung von Trumps Nachfolger Joe Biden pflegt zwar deutlich bessere Beziehungen zur WHO, äußerte aber ihrerseits Zweifel an der Transparenz des Berichts und forderte von China mehr Informationen. Dass die WHO ihren ursprünglichen Plan aufgab, zunächst eine Zusammenfassung des Berichts ohne die zugrundeliegenden Daten zu veröffentlichen und erst später die Langfassung, verbuchten die USA als Teilerfolg.

Doch Zweifel an der Vollständigkeit und Transparenz des WHO-Berichts bleiben. So beklagte sich der Leiter der Wuhan-Mission, Peter Embarek, ein paar Tage nach seiner Rückkehr über mangelnden Zugang zu Rohdaten in China. Und der EU-Botschafter bei der UNO in Genf, Walter Stevens, forderte, der Bericht müsse "vollständig transparent" sein und alle Fragen beantworten, "die wir haben".

Quelle: ntv.de, vpe/AFP

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