Panorama

Britischen Sonderweg nachahmen? Wann der Impfstoff nach Deutschland kommt

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Der Corona-Impfstoff naht: In NRW werden bereits Impfzentren aufgebaut.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Es ist so weit: Die Menschheit schlägt zurück, der lang ersehnte Impfstoff gegen das Coronavirus kommt auf den Markt. Zunächst jedoch in Großbritannien, das als erstes Land das Vakzin von Biontech/Pfizer zulässt. In Deutschland muss man sich hingegen noch gedulden - dabei gäbe es eine Abkürzung.

Großbritannien ist das erste Land, das einen nach westlichen Standards geprüften Impfstoff zulässt. Dem Vakzin von Biontech/Pfizer hat nach Angaben der Unternehmen eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Bereits in der nächsten Woche soll in Großbritannien mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen werden. Doch wann kann es in Deutschland losgehen?

Für die Zulassung in Deutschland ist die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema zuständig. Am Dienstag hatten Biontech und Pfizer bei der Ema einen Antrag auf die bedingte Marktzulassung ihres Impfstoffs BNT162b2 eingereicht. Eine Einschätzung dazu "könnte innerhalb von Wochen erfolgen", teilte die Ema mit. Die Agentur will nach eigenen Angaben die gesamte Weihnachtszeit über die eingereichten Daten zum Biontech/Pfizer-Impfstoff prüfen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) werde schließlich eine Empfehlung abgeben - das soll spätestens am 29. Dezember geschehen. "Aber diese Zeitpläne könnten sich im Laufe des Bewertungsverfahrens ändern", sagte Ema-Chefin Emer Cooke.

Schließlich entscheidet die Europäische Kommission aufgrund der Empfehlung der Ema, ob sie eine Zulassung erteilt oder nicht. Entscheidend hierbei ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis. Das ist auch bei einer "bedingten Zulassung" der Fall, wie Biontech/Pfizer sie beantragt haben. Diese beruht auf weniger umfassenden Daten zum Impfstoff, als normalerweise üblich. Die Impfstoff-Entwickler müssen die Daten später jedoch vervollständigen.

Aber wann kann in Deutschland nun zum ersten Mal geimpft werden? Dazu macht die Ema keine konkreten Angaben. Nach einer Empfehlung könnte "binnen Tagen" eine bedingte Marktzulassung erfolgen, die dann in der gesamten Europäischen Union gültig ist. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte, sie rechne mit einer Verteilung eines Impfstoffes auf die EU-Länder um die Jahreswende. Biontech und Pfizer hatten am Dienstag die Hoffnung geäußert, dass die Prüfung ihres Antrags bei der Ema den Einsatz von BNT162b2 in Europa "noch vor Ende 2020" ermöglichen könnte.

Notfallgenehmigung auch in Deutschland möglich

Doch könnte es noch schneller gehen? Auch Deutschland hätte wie Großbritannien eine Notfallgenehmigung für den Impfstoff erteilen können, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. "Aber wir haben uns dagegen und für einen gemeinsamen europäischen Ansatz entschieden", sagte Spahn. "Es ist sehr wichtig, dass wir dies tun, um das Vertrauen in die Genehmigung zu fördern." Es gehe nicht darum, wer Erster sei, sondern, dass man "sichere und wirksame Impfstoffe" erhalte. Spahn forderte die EU-Zulassungsbehörde aber auf, den Antrag der Firmen so schnell wie möglich zu prüfen.

Das Vereinigte Königreich hat sich bislang 40 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs gesichert - genug für knapp ein Drittel der Bevölkerung, da eine Verabreichung von zwei Dosen erforderlich ist. Die EU hat Zugriff auf bis zu 300 Millionen Dosen, die Bundesregierung rechnet mit bis zu 100 Millionen Dosen für Deutschland.

Es gibt auch noch weitere Impfstoff-Kandidaten den Startlöchern: Der US-Konzern Moderna hat zu Wochenbeginn ebenfalls eine bedingte Marktzulassung seines Covid-19-Impfstoffs in der EU beantragt. Bis zum 12. Januar will die Ema darüber entscheiden. Für die Impfstoffprojekte von Moderna und Biontech/Pfizer wurden zudem Anträge auf eine Notfallgenehmigung in den USA gestellt. Großbritannien prüft zudem eine Zulassung des Vakzins des britischen Arzneimittelherstellers Astrazeneca.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa