Panorama

"Kim Kardashian von Mexiko" Warum "El Chapos" Frau in US-Haft sitzt

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Emma Coronel, die vierte Frau von "El Chapo", plädierte auf "nicht schuldig".

(Foto: AP)

Bisher trat die Frau von Ex-Drogenboss "El Chapo" vor allem als Influencerin und TV-Promi in Erscheinung. Ihre jetzige Festnahme in den USA überrascht daher. Experten glauben, dass die Aktion andere Kartellführer zum Ziel hat.

Spätestens seit dieser Woche dürfte der 22. Februar für die Familie des mexikanischen Ex-Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán ein Schicksalsdatum sein. An diesem Tag vor sieben Jahren wurde der ehemalige Anführer des Sinaloa-Kartells in seiner Heimat verhaftet. Am Montag klickten dann am Flughafen Dulles nahe Washington erneut die Handschellen. Dieses Mal nahmen US-Beamte seine Ehefrau Emma Coronel in Gewahrsam.

Der 31-Jährigen wird vorgeworfen, am Drogenschmuggel in die USA beteiligt zu sein. Zudem soll die ehemalige Schönheitskönigin ihrem Mann 2015 bei der Flucht aus einem mexikanischen Gefängnis geholfen und später, nach Guzmáns erneuter Verhaftung, einen weiteren Ausbruch geplant haben.

Beweise bereits im "El-Chapo"-Prozess Thema

Die Verhaftung von Coronel kommt also nicht ganz überraschend, wohl aber der Zeitpunkt. Bereits vor zwei Jahren, während des Mammutprozesses gegen "El Chapo" in New York, schilderte ein Zeuge der Anklage, wie Coronel ihrem Mann geholfen haben soll, 2015 durch einen Tunnel aus dem Gefängnis zu fliehen. Auch abgefangene Textnachtrichten, die sie belasten, wurden im Prozess als Beweismittel verwendet. Coronel wohnte dem Verfahren damals sogar als Zuschauerin bei.

Trotz der nun erhobenen Vorwürfe gehen Experten nicht davon aus, dass Coronel eine hohe Führungsposition innerhalb des Sinaloa-Kartells bekleidet. "Sie ist eine Narco-Berühmtheit. Aber in Bezug auf ihre Funktion in der Szene ist sie keine große Figur", sagt beispielsweise Falko Ernst vom Forschungsinstitut International Crisis Group dem "Guardian".

Coronel, die in den Medien gern als "mexikanische Kim Kardashian" betitelt wird, wurde in Kalifornien geboren und besitzt sowohl die mexikanische als auch die US-Staatsbürgerschaft. Mit 18 Jahren heiratete sie den 32 Jahre älteren Guzmán und wurde seine vierte Ehefrau. Gemeinsam sind sie Eltern von Zwillingen. Coronel wuchs selbst in einem kriminellen Umfeld auf. Vater und Bruder sitzen wegen Drogenhandels im Gefängnis. Ihr Onkel, Ignacio "Nacho" Coronel, war zeitweise ein Partner ihres Mannes, bevor er bei einem Militäreinsatz ums Leben kam.

Zwei Kartell-Fraktionen ringen um die Macht

Nach der Verurteilung von "El Chapo" in den USA suchte Coronel vermehrt das Licht der Öffentlichkeit. 2019 nahm sie mit anderen Verwandten großer Drogenhändler an einer Reality-Show im US-Fernsehen teil. Zu der Zeit kündigte sie auch die Einführung einer Modelinie an, die die Initialen ihres Mannes trägt. Zudem versuchte sie sich als Influencerin und Model. Ihr Instagram-Profil hat mehr als eine halbe Million Follower.

Laut dem mexikanischen Journalisten Omar Sánchez de Tagle dürfte Coronel für die US-Behörden vor allem wegen ihres Insiderwissens von Bedeutung sein. Sie soll weiterhin in Kontakt mit Guzmans Söhnen Archivaldo, Alfredo und Ovidio, bekannt als die "Chapitos", stehen, schreibt de Tagle in einem Beitrag für die "Washington Post".

Auch der Journalist Alejandro Hope von der Zeitung "El Universal" sieht in der Verhaftung Coronels eher den Versuch, die 31-Jährige zur Kooperation zu bewegen, um an die führenden Köpfe heranzukommen. Das Sinaloa-Kartell befindet sich seit dem Ausfall von "El Chapo" im Umbruch. Zwei Fraktionen ringen um die Macht. Dabei stehen sich eine von den Söhnen Guzmáns angeführte Gruppe und eine Bande unter Ismael "El Mayo" Zambada gegenüber, der lange als die Nummer zwei des Kartells galt.

"Mach dir keine Sorgen, Emma"

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Mittlerweile ist die Verhaftung Coronels auch in Mexikos politischen Kreisen ein Thema. Wohl in Anspielung auf den Fall Cienfuegos twitterte Ex-Staatschef Vicente Fox ironisch: "Mach dir keine Sorgen, Emma, der Präsident wird zur Rettung kommen". Der frühere Verteidigungsminister Salvador Cienfuegos war bei einem USA-Besuch im Oktober wegen Drogenschmuggels festgenommen worden. Auf Druck von Mexikos Präsident López Obrador wurde Cienfuegos in seine Heimat abgeschoben. Dort wurden alle Ermittlungen gegen ihn eingestellt, was zu Spannungen zwischen Mexiko-Stadt und Washington führte. In Verbindung mit dem Fall Cienfuegos sieht Mexiko-Analyst Ernst daher auch ein politisches Signal Washingtons, weiterhin wichtige Kartellmitglieder zu verhaften und vor ein US-Gericht stellen zu wollen.

Bei ihrer ersten Anhörung am Dienstag plädierte Coronel auf "nicht schuldig". Sollte die 31-Jährige verurteilt werden, droht der Zweifachmutter im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe. Damit würde sie das Schicksal ihres Ehemannes teilen. "El Chapo" sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Colorado eine lebenslange Freiheitsstrafe plus 30 Jahre ab.

Quelle: ntv.de

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