Panorama

Epidemiologe Ulrichs bei ntv Weihnachtsmärkte? "Gut, wenn wir das noch mal sein lassen"

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2G auf dem Weihnachtsmarkt - reicht das?

(Foto: imago images/Reichwein)

In vielen Städten werden die Weihnachtsmärkte schon aufgebaut, da beginnt wieder die Diskussion darüber, ob sie überhaupt öffnen sollten. Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule in Berlin sagt bei ntv: "Aus Rücksicht auf die Situation in den Krankenhäusern wäre es gut, wenn wir das dieses Jahr einfach noch mal sein lassen könnten."

ntv: Sollten größere Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte jetzt abgesagt werden?

Timo Ulrichs: Eigentlich ja, denn wir haben so hohe Zahlen, dass solche Veranstaltungen im Freien auch mit dazu beitragen können, dass das Virus sich ausbreitet. Die Wahrscheinlichkeit wächst einfach, dass die Menschen, die neben einem herumlaufen, Virusüberträgerinnen oder -überträger sind. Und deswegen wäre es aus Rücksicht auf die Situation in den Krankenhäusern gut, wenn wir das dieses Jahr einfach noch mal sein lassen könnten.

Was ist Ihrer Meinung nach der richtige Weg? Keine Maskenpflicht, aber nur Geimpfte auf die Weihnachtsmärkte lassen oder genau andersherum?

Eine Maskenpflicht wäre das Minimum. Und bei 2G oder 3G muss man sich überlegen, wie man es gut kontrollieren kann. Das muss auf jeden Fall an den Eingangspforten zu den Weihnachtsmärkten kontrolliert werden. Das wäre schon noch etwas sicherer. Oder man verzichtet ganz darauf und sagt, wir treffen uns nach der Pandemie zum nächsten Weihnachtsmarkt, also in einem Jahr.

Was wissen wir denn aus den vergangenen Jahren? Wo breitet sich das Virus am besten aus und welche Konzepte brauchen wir noch?

Es sind natürlich vor allen Dingen die Innenräume, weil da der Luftraum begrenzt ist und die Aerosole dort leichter stehen können. Im Freien auf dem Weihnachtsmarkt ist das schon ungefährlicher, liegt aber eben nicht bei null. Und angesichts dieses hohen Infektionsdrucks, den wir gerade jetzt haben, müsste man eben auch so eine Großveranstaltung kritisch betrachten. Und ansonsten, Innenräume, Veranstaltungen, auch Möglichkeiten, wo Leute spontan zusammenkommen, auch im Freien und enger und länger zusammenstehen, das ist gefährlich und da kann das Virus übertragen werden.

Wie schätzen Sie die Situation an den Schulen ein? Reicht da über den Winter die Maskenpflicht?

Die Maskenpflicht zusammen mit einem Hygienekonzept, das angepasst ist an die jeweiligen Schulen - das würde schon nicht schlecht sein. Aber das Ganze steht und fällt mit der Situation um die Schulen herum. Also, ob die Erwachsenen, die Eltern und andere Kontaktpersonen für die Schülerinnen und Schüler geimpft sind. Das reduziert das Risiko enorm, dass da was eingetragen wird und über Klassenverbände weitergegeben werden kann. Und wenn wir uns jetzt gerade unterhalten über 2G und 3G in bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel Gaststätten und Restaurants, und dann gleichzeitig diskutieren, ob man die Schulen weiter auflassen kann oder nicht, da sollten doch eigentlich die Schulen die Priorität haben. Alles drumherum sollte so sicher gemacht werden, dass die Schulen offen bleiben können.

Intensivmediziner warnen davor, dass bald nur noch Notfallpatienten und Covid-Patienten in Krankenhäusern behandelt werden können. Sie schlagen außerdem vor, einen Notschutzschalter einzurichten. Was würde das bedeuten?

Das ist leider die Situation und es wird nicht besser - wir gehen ja jetzt erst so langsam in den Winter. Es ist damit zu rechnen, dass das Ganze wegen der 15 Millionen Ungeimpften noch viel schlimmer wird. Ein Notschutzschalter wäre eigentlich nichts anderes, als dass wir uns alle noch mal in einen Quasi-Lockdown begeben, also auch die Geimpften, um die Kontakte so weit runterzufahren, dass es zu einer Unterbrechung der Welle kommt. Wir haben es schon ausprobiert: Das müssten mindestens 14 Tage lang sein, damit die Weitergabe des Virus unterbrochen wird und damit dann sukzessive, also erst sichtbar nach einigen Wochen, weniger Menschen in die Krankenhäuser kommen.

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery hat gefordert, auch gegen Ungeimpfte noch mal härter vorzugehen. Sehen Sie das auch so?

Es ist ärgerlich, weil diese vierte Welle im Prinzip hauptsächlich durch die Ungeimpften getragen wird und alles, was in den Krankenhäusern jetzt an Arbeit anfällt, hauptsächlich durch die Ungeimpften verursacht wird. Deshalb wären Kontaktreduktionen, wenn sie denn selektiv einsetzbar wären, für die Ungeimpften sehr, sehr sinnvoll.

In Österreich ist die 3G-Regelung am Arbeitsplatz eingeführt worden. Dort ist jetzt auch die Zahl der Impfungen gestiegen. Können Sie sich das auch für Deutschland vorstellen?

Es soll ja nicht der einzige Grund sein, das einzuführen, dass man damit die Impfungen noch mal nach oben treibt - auch wenn das natürlich sehr schön wäre. Es soll einfach mehr Sicherheit am Arbeitsplatz bringen und mehr Klarheit. Es ist ja nicht einzusehen, dass man in einer Gaststätte den Geimpften- oder Genesenen-Nachweis vorzeigen muss, der Arbeitgeber aber nicht nachfragen kann, wie sicher es ist, wenn eine Person dort arbeitet. Mit 3G am Arbeitsplatz wäre wenigstens hilfsweise mehr Sicherheit da. Und das brauchen wir unbedingt auch an den Arbeitsplätzen und gerade in Büroräumen, die, wenn man nicht gerade Homeoffice machen kann, auch ein wichtiger Übertragungsort sind.

Mit Timo Ulrichs sprach Vivian Bahlmann

Quelle: ntv.de

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