Panorama

Höhere Lagen im Vorteil Weiße Weihnacht ist noch nicht vom Tisch

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Das letzte deutschlandweite weiße Weihnachtsfest gab es im Jahr 2010.

(Foto: picture alliance / Karl-Josef Hi)

Selbst im Flachland muss Schnee an Weihnachten noch nicht von den Wunschzetteln gestrichen werden. Ein kaltes Wetterszenario für die zweite Dezemberhälfte stützen etwa Langfrist-Prognose, erklärt n-tv Meteorloge Björn Alexander.

n-tv.de: Die Zeit bis Weihnachten ist absehbar. Gibt es schon erste Prognosen, ob wir uns in diesem Jahr mal wieder auf Schnee zum Fest freuen können?

Björn Alexander: Nach den letzten, teils sehr unwinterlichen Weihnachtsfesten wäre es definitiv mal wieder an der Zeit für eine weiße Weihnacht. Und alles in allem sind die Chancen dafür auch noch vorhanden. In diesem Jahr ist das Rennen auf Schnee zum Fest sogar relativ spannend. Zumindest verglichen mit den letzten Jahren als es selbst in den Hochlagen mal nicht für Schnee gereicht hat.

Wie häufig kam es eigentlich vor, dass wir überhaupt die weiße Weihnacht erleben durften?

Das letzte deutschlandweite weiße Fest gab es im Jahr 2010. Schaut man noch weiter bis in die 1950er-Jahre zurück, dann sind es aber natürlich die Bergregionen und die höher gelegenen Ortschaften, die sehr häufig Schnee zum Fest bekommen haben: Oberstdorf, Oberwiesenthal oder der Hochschwarzwald, der Oberharz sowie die Alpen.

Wie sieht es in den größeren Städten aus?

Seit 1950 bekamen die Menschen in Hamburg zwölf Mal eine geschlossene Schneedecke von mindestens einem Zentimeter. Ähnlich war es in Frankfurt mit elf Mal. Davor rangieren Berlin (16-mal) und München mit 25 Jahren, in denen es Schnee zur Weihnachtszeit gab. Deutlich bescheidener sieht es in den Tieflagen im Westen und Nordwesten aus. In Köln bescherte Frau Holle in den vergangenen Jahrzehnten zum Beispiel nur viermal eine weiße Weihnacht.

Und wie ist die Lage voraussichtlich in diesem Jahr?

Für die höheren Lagen der Alpen ist die Ausgangslage top. Hier hat es einen extrem schneereichen November gegeben, sodass hier in Sachen Schnee zum Fest wohl nicht mehr viel anbrennt. Auch in den Mittelgebirgen sind ab der nächsten Woche wieder neue Schneeschauer in Sicht.

Was sagen die Wettercomputer im Flachland?

Da brauchen wir den Schnee zum Fest auch noch nicht von den Wunschzetteln zu streichen. Nach einem milden zweiten Adventswochenende geht es in der nächsten Woche nasskalt weiter. Das ist zwar noch keine Winterlage. Aber eine warme Südwest- bis Südlage ist eben auch nicht in Sicht. Gleichzeitig nähren die Vorhersagen für die höhere Atmosphäre bis in die Stratosphäre weiterhin die Hoffnung für die Winterfreunde. Der Polarwirbel wird schwächeln und damit steigen auch bei uns die Chancen auf einen richtigen Winter.

Also Kälte samt Schnee und Eis?

Die Möglichkeit besteht. Gleichzeitig wird ein kaltes Szenario für die zweite Dezemberhälfte von den experimentellen Langfrist-Prognosen des amerikanischen Wetterdienstes gestützt. Die älteren Berechnungen sahen nämlich noch einen außergewöhnlich warmen bis sogar rekordverdächtigen Dezember.

Und das hat sich geändert?

Ja. Inzwischen hat sich aber das Blatt gewendet. Demnach sollten wir maximal einen durchschnittlichen Dezember bekommen. Man darf also gespannt sein, ob sich dieser Abwärtstrend in der Langfristprognose nun auch tatsächlich bewahrheitet.

Mit welchem Wetter geht es denn am zweiten Adventswochenende konkret weiter?

Hier gilt die Devise: Sturm und Regen statt Eis und Schnee. Denn nachdem unsere frühwinterliche Hochdrucklage jetzt zu Ende geht, rücken die Atlantiktiefs wieder näher. Damit wird es - nach der zuletzt kältesten Nacht der Saison - alles andere als winterlich.

Wie kalt war es denn?

Mit Ausnahme der Küsten und der höheren Berge im Süden erlebten wir verbreitet Frost oder Bodenfrost mit Reifglättegefahr. Am kältesten verlief die letzte Nacht in der Südhälfte mit um minus 5, in Spitzen bis minus 11 Grad.

Warum war es auf den Bergen im Süden nicht kalt? Oben ist es doch immer kälter als unten.

Im Prinzip ja. Allerdings hatte sich in den höheren Luftschichten bereits deutlich mildere Luft durchgesetzt. Eine sogenannte Inversionswetterlage, bei der sich der normale Temperaturverlauf umkehrt: unten kalt und oben warm.

Wie groß sind dann die Unterschiede dieser umgekehrten Temperaturen?

Das zeigt uns zum Beispiel der Blick nach Garmisch-Partenkirchen. Im Ort meldete die Wetterstation auf 720 Metern minus 5 Grad. Nur vier Kilometer südlich liegt das Kreuzeck. Ein Berg mit rund 1630 Metern Höhe, auf dem es gleichzeitig plus 7 Grad waren.

Doch Inversion und Frost sind jetzt vorbei?

Auf jeden Fall. Mit dem auflebenden Wind und den aufziehenden Wolken wird die mildere Luft nun bis runter gemischt, sodass sich die Verhältnisse wieder normalisieren und dass gleichzeitig die Nächte am Wochenende mehrheitlich frostfrei sind. Zuvor ist am Nikolaustag zwar mit dem Wetterwechsel in den Berglagen von der Eifel bis an den Bayrischen Wald und das Erzgebirge noch gefrierender Regen möglich, danach sind Frost und Glätte aber vorerst kein Thema mehr. Stattdessen wird es sehr windig bis stürmisch.

Wie sind die Einzelheiten?

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n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Der Samstag wird nach jetzigem Stand noch der angenehmere Tag eines ziemlich turbulenten und teils nassen Adventswochenendes. Denn dann kommt zwischen einzelnen Schauern besonders in der Mitte und im Süden die Sonne zeitweise nochmals durch.

Was macht der Wind?

Der ist zwar unangenehm, aber Sturmböen beschränken sich zunächst noch auf die Berge und vereinzelt auch auf den Osten. Dabei bekommen wir eher milde 5 bis 10 Grad.

Welche Aussichten erwarten uns am Sonntag?

Der alte Regen zieht ostwärts ab, wird aber direkt von Westen her durch die nächsten Regenpakete ersetzt. Einzig im Süden und Südosten bleibt es dazwischen noch länger trocken. Dazu werden es sehr milde, aber auch sehr windige bis stürmische 7 bis 13 Grad. Hierbei legt nämlich der Wind bis zum Abend immer weiter zu. Damit könnten an einzelnen Weihnachtsmärkten die Warnschwellen für Sturm erreicht werden - speziell höher gelegene in Harz, Eifel oder Erzgebirge.

Wie geht es in der neuen Woche weiter?

Am Montag erreicht der Wind sein Maximum und bringt auch im Flachland Sturmstärke. Die Böen sollten aber durchweg noch unter 100 km/h bleiben. Lediglich die Berge liegen darüber. Auf dem Brocken stürmt es beispielsweise mit Orkanstärke bis Tempo 130. Mit dem Sturmfeld kommt der nächste Schwall Polarluft und lässt die Schneefallgrenze zunächst bis rund 700 Meter sinken - in der Nacht auf Dienstag dann unter 300 Meter. Danach bleibt es tendenziell bei einer immer wieder stürmischen Westlage. Mal mit etwas milderen, mal mit kälteren Temperaturen. Das eröffnet im Bergland wiederholt Schneechancen, während es in den tieferen Lagen nasskalt weitergeht.

Quelle: ntv.de