Panorama

Sperrzone für Touristen geöffnet Weißrussland lädt nach Tschernobyl ein

imago85031886h.jpg

Die Tschernobyl-Sperrzone in Weißrussland ist für Besucher eine Terra Incognita.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Seit mehr als drei Jahrzehnten darf das Gebiet um Tschernobyl nur mit Sondergenehmigung betreten werden - die Strahlenwerte sind zu hoch. Nun will Weißrussland ausgerechnet Touristen in die verseuchte Gegend locken.

Der weißrussische Teil der radioaktiv kontaminierten Sperrzone von Tschernobyl kann künftig im Rahmen einer Führung besucht werden. Touristische Routen würden bereits vorbereitet, sagte Maxim Kudin, stellvertretender Direktor des Polessischen Staatlichen Radioökologischen Schutzgebiets, dem Fernsehsender ONT.

Kudin betonte, die Strahlendosis, der Touristen ausgesetzt würden, sei für die Gesundheit zu vernachlässigen. In einigen Teilen der Sperrzone werden die Grenzwerte laut ONT zwar hundert- oder sogar tausendfach überschritten, doch diese Gebiete sind für Besucher offenbar tabu.

Im Schutzgebiet gibt es keine Geisterstädte, die Besucher anziehen, dafür aber viele verlassene Dörfer. Wer die Sperrzone besuchen will, wird nicht unbedingt tief in die Tasche greifen müssen: Eine Tagestour wird für eine Gruppe von drei bis fünf Menschen etwa 340 weißrussische Rubel, umgerechnet etwa 140 Euro, kosten.

Im ukrainischen Teil der Sperrzone werden ähnliche Ausflüge bereits seit mehreren Jahren angeboten. Diese sind etwas teurer, dafür führen die Touren unter anderem in die berüchtigten Geisterstädte Pripjat und Tschernobyl. Auch die Überreste des havarierten Atomkraftwerks bekommt man aus der Nähe zu sehen.  

Der Unfall in Tschernobyl ist eine der größten von Menschen verursachten Katastrophen in der Geschichte. Am 26. April 1986 zerstörte eine Explosion einen der vier Reaktorblöcke, was zur Freisetzung radioaktiver Stoffe führte. In Weißrussland, der Ukraine und Russland waren fast 8,4 Millionen Menschen der Strahlung ausgesetzt. Mehr als 115.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.

Quelle: n-tv.de, uzh

Mehr zum Thema