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Zweckentfremdet zum Hass-Symbol Wie Pepe der Frosch zum Nazi wurde

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Pepe an der Seite von Donald Trump.

(Foto: Twitter/@Webster69Dw)

Ursprünglich war Pepe ein etwas hässlich geratener Frosch. Doch die Menschen liebten das glubschäugige Tier. Sie verkleideten ihn, ließen ihn lachen, weinen und chillen - bis er von einer rechtsradikalen Bewegung entdeckt und instrumentalisiert wurde.

Eigentlich ist Pepe kein Nazifrosch. Aber die jüngsten Versionen von ihm als Adolf Hitler, als Mitglied des Ku-Klux-Klans oder als Soldat der Waffen-SS haben ihm einen Platz auf der Liste der rechten Hass-Symbole der US-amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) verschafft.

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"Wieder einmal haben Rassisten und Hater ein populäres Meme für ihre eigenen Zwecke umgedeutet, um Nutzer zu schikanieren", erklärt ADL-Chef Jonathan Greenblatt laut CNN. Zwar sei natürlich nicht jede Person, die Pepe im Netz postet, ein Rassist oder Antisemit. Aber eine Gruppe Internetnutzer habe sich das Meme mittlerweile für ihre Zwecke angeeignet.

"Pepe the Frog" stammt ursprünglich aus der Feder des US-amerikanischen Künstlers Matt Furie, der die Figur für sein Comic "Boy's Club" entwarf. 2005 zunächst im sozialen Netzwerk MySpace veröffentlicht, schafften Pepe und sein Spruch "Feels good man" den Sprung zum Forum 4chan. Die ursprüngliche Schwarz-Weiß-Zeichnung wurde eingefärbt und das Meme Pepe war geboren. 

Bis zum Frühjahr 2015 führte der menschenartige Frosch ein beständiges, wenn auch nicht übermäßig berühmtes Dasein im Internet, auf Twitter und Facebook, in abseitigen Foren und Communitys. Die Menschen mochten Pepe, verkleideten ihn, kreuzten ihn mit Serienfiguren, ließen ihn lachen, tanzen und weinen. Sogar für den Jetlag von Katy Perry musste er herhalten. Am Ende des Jahres 2015 war er das häufigste Meme auf der Blogging-Plattform Tumblr.

Vom Meme zum Nazi

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Doch mit dem US-Wahlkampf 2016 geriet der unschuldige Pepe schließlich auf die schiefe Bahn. Eine rechtsgerichtete Online-Bewegung die den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, unterstützt, entdeckte den bis dahin unschuldigen Comic-Frosch und machte ihn zu ihrem Maskottchen.

Im Mittelpunkt steht "Alt Right" - abgekürzt für "Alternative Rechte". Sie ist im Grunde nicht viel mehr als eine lose Organisation von Internet-Trollen, die mit derben Sprüchen, Cartoons und Memen aller Art um die Aufmerksamkeit der User buhlen. Vor allem aber sind sie eines: Rassisten. Der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) zufolge zeichnet sich Alt Right durch eine "rechtsextreme Ideologie aus, die im Wesentlichen auf der Annahme basiert, dass ihre weiße Identität durch Multikulturalismus, politische Korrektheit und soziale Gerechtigkeit untergraben wird".

Zwischen den Identitären und Trump bestehen offenbar enge Verflechtungen. So habe Trump mit dem Publizisten Stephen Bannon ganz bewusst einen führenden Vertreter der Alt Right zum Wahlkampfleiter gemacht, betonte Extremismus-Experte Mark Potok jüngst im Deutschlandradio. Potok warnte, dass die Alt-Right-Bewegung mit Figuren wie Pepe geschickt die sozialen Medien nutze, um gezielt junge Menschen über die "frischen, kühnen und witzigen" Inhalte, die ihnen die Alternative Rechte biete, anzusprechen.

Der glubschäugige Frosch tauchte immer häufiger bei Antworten zu Trump-Tweets auf. So gibt es eine Version von Pepe mit Hitler-Bärtchen und einer Sprechblase mit "Kill jews man". In anderen Bildern wird er als verschmitzt lächelnder Jude dargestellt, während im Hintergrund ein Flugzeug das World Trade Center rammt. Und natürlich taucht er auch mit blond-geflufften Haaren als Donald-Trump-Verschnitt auf.

Pepes Zeichner Furie, der sich übrigens öffentlich zu Hillary Clinton bekannt hat, hofft, dass die rassistischen und fremdenfeindlichen Versionen seines Frosches nur vorübergehender Natur sind und Pepes liebenswerter Kern eines Tages wieder die Oberhand gegen den Nazi-Frosch gewinnen wird.

Quelle: n-tv.de

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