Panorama

Brandkatastrophe in Sibirien Wie viele Kinder starben in Kemerowo?

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"So viele Menschen sterben. Warum? Wegen krimineller Nachlässigkeit": Kremlchef Putin an der Unglücksstelle in Kemerowo.

imago/ITAR-TASS

Zwei Tage nach der Feuerkatastrophe von Kemerowo kommen schreckliche Details ans Licht: Bei dem Feuer im Einkaufszentrum "Winterkirsche" kommen demnach vor allem Minderjährige ums Leben. Auf der Liste der Todesopfer stehen angeblich 41 Kindernamen.

Im Flammeninferno des brennenden Einkaufszentrums im Stadtzentrum der sibirischen Industriemetropole Kemerowo sind offenbar deutlich mehr Kinder ums Leben gekommen als bislang bekannt: Bei der überwiegenden Mehrheit der bislang 64 bestätigten Todesopfer des Großbrands soll es sich einem Medienbericht zufolge um Minderjährige handeln. Die Namen von 41 Kindern stünden auf der Liste der Toten, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti einen Vertreter der regionalen Rettungsdienste. Damit starben bei dem verheerenden Unglück in der Shopping-Mall "Winterkirsche" wohl deutlich mehr Kinder als zunächst befürchtet.

In offiziellen Verlautbarungen nach Abschluss der Löscharbeiten war zunächst von mindestens neun getöteten Kindern die Rede. In den sozialen Medien kursieren bereits Gerüchte, dass die Gesamtzahl der Toten tatsächlich deutlich höher ausfallen dürfte. In Kemerowo hielten Demonstranten Transparente in die Höhe, auf denen die Angaben der Behörden zur Zahl der Toten offen angezweifelt werden: "Wie viele Opfer gibt es wirklich?"

Wer trägt die Schuld?

Der grausame Feuertod so vieler Kinder löst in der russischen Öffentlichkeit eine Welle des Entsetzens aus. In die landesweite Trauer mischen sich jedoch auch erste wütende Reaktionen. Kritiker werfen den Behörden vor, durch Nachlässigkeit und mangelnde Aufsicht eine Mitschuld an der Katastrophe zu tragen. Am Pranger steht letztlich der russische Staat, der in den Augen vieler Bürger durch Korruption und Amtsmissbrauch in seinen grundlegenden Aufgaben versagt.

Wie groß die Sorge vor der öffentlichen Empörung ist, zeigen die offiziellen Reaktionen aus Moskau. Russlands Staatspräsident Wladimir Putin reiste persönlich in die rund 3000 Kilometer entfernte Provinz, um sich bei einem kurzfristig angesetzten Besuch an der Unglücksstelle vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

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3000 Kilometer östlich von Moskau: Die Industriestadt Kemerowo liegt inmitten der Kohleregion Kusbass.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Putin: "kriminelle Nachlässigkeit"

Bei seinem Besuch in Kemerowo erhob Putin schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen. Er sprach unter anderem von "Schlampigkeit" im Umgang mit geltenden Brandschutzbestimmungen. "So viele Menschen sterben. Warum? Wegen krimineller Nachlässigkeit", ließ sich Putin zitieren. "Was passiert hier?"

Bei dem Brand am Sonntag kamen nach Behördenangaben mindestens 64 Menschen ums Leben. Die Identifizierung der Opfer gestaltet sich jedoch offenbar angesichts der enormen Hitzeeinwirkung am Brandherd schwierig. Noch immer ist die Identität einzelner Toter nicht geklärt. Dem Vernehmen nach soll Angehörigen von vermissten Kindern vor dem Eintreten in die Leichenhalle eine Verschwiegenheitserklärung vorgelegt worden sein. Dadurch wollten die Behörden vor Ort vor allem verhindern, dass weitere furchtbare Details der Brandkatastrophe an die Medien gelangen, hieß es.

Ermittlungen zufolge war das Feuer am Sonntagnachmittag in einem Kinosaal in der obersten Etage des Gebäudes ausgebrochen. Rauch und Flammen konnten sich in dem dreistöckigen Einkaufszentrum rasch ausbreiten. Russische Ermittler leiteten eine strafrechtliche Untersuchung ein und stellten schnell "schwerwiegende Verstöße" gegen Bau- und Nutzungsvorschriften fest. Vier Verdächtige wurden bereits festgenommen, unter ihnen der Pächter der Räumlichkeiten, in denen das Feuer ausbrach, und der Chef des Unternehmens, das die Shoppingmall verwaltet.

Die Region um die Stadt Kemerowo gilt eigentlich als Hochburg der Putin-Anhänger. Bei der Präsidentschaftswahl vor knapp eineinhalb Wochen erreichte der Verwaltungs- und stimmbezirk Kemerowo eine Zustimmung von 85,4 Prozent.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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