Panorama

Situation extrem angespannt Wieder Hunderte Corona-Tote in Italien

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Die Ausgangssperre wird zumindest vorm Mailänder Dom eingehalten.

(Foto: AP)

Immerhin sind es weniger Tote als am Samstag, aber noch immer meldet Italien erschreckend hohe Zahlen von an Covid-19 gestorbenen Menschen. Ministerpräsident Conte gibt weiter Durchhalteparolen aus und kündigt neue drastische Maßnahmen an.

In Italien sind binnen 24 Stunden weitere 651 Menschen durch das neuartige Coronavirus ums Leben gekommen. Damit starben in dem EU-Land bereits fast 5500 Infizierte, wie der Zivilschutz mitteilte. Es ist die zweithöchste Tagesbilanz an Corona-Toten in Italien - am Samstag hatte die Zahl der täglichen Todesopfer mit 793 einen neuen Rekord erreicht.

Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen in Italien stieg der Behörde zufolge um 5560 auf nunmehr 59.158. Dies war ein Zuwachs von gut zehn Prozent im Vergleich zum Vortag. Ein Hoffnungsschimmer ist es, dass die Zahl der verstorbenen an diesem Sonntag zurückgegangen ist. Man hoffe, dass sich das in den nächsten Tage fortsetze, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli.

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"Der Tod so vieler Mitbürger ist ein Schmerz, der täglich aufflammt", hatte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Vortag gesagt. "Es sind nicht nur Zahlen. Sondern die, um die wir trauern, sind Menschen, es sind Geschichten von Familien, die ihre liebsten Angehörigen verlieren." Die Italiener müssen verzweifelt zusehen, wie alle drastischen Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus vorerst keine Erfolge bringen. "Es ist die schwerste Krise für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Conte. Er kündigte weitere drastische Maßnahmen an: Alle Betriebe, "die nicht entscheidend und unerlässlich" für die notwendigsten Güter und Dienstleistungen sind, müssen schließen. Nur Supermärkte, Banken, Post und Apotheken sowie Tabakläden sind weiter ausgenommen.

Für die hohe Sterberate in Italien könnte es mehrere Gründe geben. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei den Infizierten viel höher ist als angegeben, viele mild oder symptomlos verlaufende Fälle werden nicht erfasst. Viele Menschen werden nicht getestet. Italien hat eine der ältesten Bevölkerungen weltweit. Die meisten Toten waren ältere Menschen. Allerdings ist die Bevölkerung in Deutschland auch nicht wesentlich jünger. Aber viele Großeltern wohnen in Italien mit ihren Kindern und Enkeln im Haus oder sind in das tägliche Leben eingebunden. So sind Ansteckungen einfacher.

Auch gelten die überlasteten Krankenhäuser in der Lombardei als Problem, weil sich dort Ansteckungen schnell verbreitet haben könnten. Zivilschutzchef Borrelli betonte, dass bei den erfassten Verstorbenen die Todesursache nicht abschließend geklärt sei: Also ob die Menschen nur an Covid-19 starben oder ob der Grund eine andere Krankheit war. Die allermeisten Opfer sind über 70 Jahre alt, viele litten an einer oder mehreren Krankheiten, zum Beispiel an Diabetes, Krebs oder Atemwegsproblemen.

Seit 10. März gelten in dem Land bereits Ausgangssperren, viele Büros haben auf Homeoffice umgestellt. Aber selbst in der Lombardei gingen einige noch zum Arbeiten. "Unser Opfer, zu Hause zu bleiben, ist minimal, wenn man es mit den Opfern vergleicht, die andere Mitbürger in den Krankenhäusern erbringen", sagte Conte.

Die wirtschaftlichen Schäden für das hoch verschuldete Land sind jetzt schon unermesslich. Viele Italiener sind ermüdet von der Krise, deprimiert. "Wir geben unsere liebsten Gewohnheiten auf, wir tun es, weil wir Italien lieben", sagte Conte. Aber gemeinsam werde man es schaffen - ein Schlachtspruch, an den viele langsam nicht mehr glauben.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa