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"Ein Urteil zur Abschreckung" Wieder Mordurteil gegen Ku'damm-Raser?

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Vor zwei Jahren ereignete sich an dieser Kreuzung in der Berliner Innenstadt der tödliche Unfall.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als zwei junge Männer vor drei Jahren über den Kurfürstendamm in Berlin rasen, fahren sie einen Unbeteiligten tot. Dafür könnten sie heute endgültig zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Für künftige Raser-Prozesse gilt der Richterspruch als wegweisend.

Er würde das Geschehene "gern ungeschehen machen", sagte Hamid H., der Angeklagte im Raser-Prozess. Der inzwischen 30-Jährige stand von der Anklagebank auf, als er vergangene Woche seine Schlussworte im Prozesssaal des Berliner Landgerichtes vorsprach. Nun warten er und sein Mitangeklagter, der 27-jährige Marvin N., nach rund vier Monaten Verhandlung auf ihr erneutes Urteil, das heute fallen soll.

Die als "Ku'damm-Raser" bekannt gewordenen Angeklagten verantworten sich bereits zum zweiten Mal vor Gericht wegen des tödlichen Autorennens in der Berliner Innenstadt. Zu lebenslanger Haft wegen Mordes wurden sie im vergangenen Jahr verurteilt. Der Fall wurde aber erneut aufgerollt, weil der Bundesgerichtshof (BGH) den Richterspruch aufgehoben hat.

"Der BGH hat das Urteil nicht gekippt. Das Gericht besagte nur, dass das Urteil schlecht begründet gewesen war", sagt Verkehrsrechtler Carsten Engel n-tv.de. Es sei also nicht gesagt, dass ein tödliches Autorennen nicht grundsätzlich auch als Mord verurteilt werden kann. Entscheidend ist, ob die Richter die Tat nun als fahrlässige Tötung oder Mord einstufen.

Mehr illegale Autorennen

Hamid H. und Marvin N. waren in der Nacht zum 1. Februar 2016 mit ihren PS-starken Sportwagen über den Berliner Kurfürstendamm gerast. Sie lieferten sich ein Wettrennen und waren laut einem Gutachten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 170 Kilometern je Stunde unterwegs. An einer roten Ampel krachte der Wagen dann in einen unbeteiligten Jeep. Der 69-jährige Fahrer überlebte den Zusammenstoß nicht und starb noch am Unfallort.

Sollten die Richter zu dem Schluss kommen, ein Mord-Urteil gegen die beiden Raser auszusprechen, wäre "das ein Urteil zur Abschreckung", meint Engler zu n-tv.de. Die Zahl illegaler Autorennen sei "vor allem in den Innenstädten" in den vergangenen Jahren gestiegen. Städte wie Köln haben längst eigene Ermittlungsgruppen eingerichtet, um Rasern wie Hamid H. oder Marvin N. auf die Spur zu kommen.

Den Verteidigern zufolge rechneten die beiden Raser am Kurfürstendamm aber nicht mit einem Unfall und hätten somit ohne Vorsatz gehandelt, hieß es in den Schlussplädoyers. Sie plädierten daher für fahrlässige Tötung und einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Die Höchststrafe läge in diesem Fall bei maximal fünf Jahren Haft.

Niedrige Beweggründe, Heimtücke, gefährliche Mittel

Die Staatsanwaltschaft dagegen fordert wie bereits im Prozess vor zwei Jahren erneut eine lebenslange Haft wegen Mordes und sieht gleich drei Mordmerkmale erfüllt. Die Angeklagten hätten aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch und mit gefährlichen Mitteln gehandelt. "Das Tatmotiv liegt in dem unbedingten Willen, das Rennen zu gewinnen", hieß es im Schlussplädoyer. Sie hätten die Gefahr billigend in Kauf genommen.

Nach dem tödlichen Vorfall in der Berliner Innenstadt wurde einige Monate später die Gesetzeslage geändert. "Autorennen als solches sind zu einem Straftatbestand geworden", sagt Verkehrsrechtsexperte Engel. Zuvor hatten die Rennen auf offener Straße nur als Ordnungswidrigkeit gegolten. Nun kann der Entzug des Führerscheins, eine Geld- oder Freiheitsstrafe die Folge sein. Das Berliner Landgericht muss nun entscheiden, ob es bei den beiden Angeklagten, die sich bei einem illegalen Rennen mit ihren Autos messen wollten, auch den Straftatbestand Mord anwenden will.

Quelle: n-tv.de

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