Drei Insassen enthauptetWieder Tote bei Gefängniskampf in Brasilien

Fast 100 Tote in einer Woche - die maroden Gefängisse in Brasilien sind heillos überfordert. Nach einer Revolte werden die Insassen verlegt, um weitere Massaker zu vermeiden. Am neuen Haftplatz kommt es jedoch erneut zu blutigen Kämpfen.
Bei einer erneuten Gefängnisrevolte im nordbrasilianischen Manaus sind mindestens vier Häftlinge getötet worden. Die Insassen der Haftanstalt Vidal Pessoa meuterten wegen der schlechten Zustände im Gefängnis. Drei der Opfer seien enthauptet worden, erklärte der Sicherheitssekretär des Bundesstaates Amazonas der Zeitung "Folha de São Paulo". Die Sicherheitskräfte gewannen nach drei Stunden wieder die Kontrolle über die Haftanstalt, erklärte der Strafvollzugssekretär Pedro Florêncio.
Die 283 Häftlinge des Gefängnisses waren erst am Montag nach Vidal Pessoa verlegt worden. Sie kamen aus den Haftanstalten in Manaus, in denen zu Wochenbeginn 60 Insassen bei Fehden unter rivalisierenden Banden getötet worden waren. Angehörige der verlegten Häftlinge blockierten die Straße vor dem Gefängnis, nachdem sie über Handy von den Insassen erfuhren, dass eine Meuterei begonnen hatte. Die Polizei räumte die Straßensperre unter anderem mit dem Einsatz von Pfefferspray.
Das im Stadtzentrum von Manaus gelegene Gefängnis Vidal Pessoa war im Oktober 2016 wegen unzulänglicher Haftbedingungen geschlossen worden. Es wurde wieder geöffnet, um die verfeindeten Gruppen in den anderen Gefängnissen von Manaus zu trennen. Die verlegten Häftlinge wurden provisorisch ins Krankenhaus und in die Kapelle von Vidal Pessoa eingeliefert, während die verwahrlosten Zellen repariert werden. Bei einer weiteren Häftlingsrevolte im Bundesstaat Roraima waren am Freitag 33 Insassen getötet worden. Am Mittwoch hatte es auch in einer Haftanstalt im Bundesstaat Paraíba zwei Tote gegeben. Nach der vorläufigen Auszählung sind somit in Brasilien in einer Woche 99 Häftlinge getötet worden.
Die Regierung von Amazonas forderte die sofortige Entsendung von Bundeskräften, um weitere Revolten zu verhindern und die Modernisierung der Haftanstalten zu unterstützen. Justizminister Alexandre de Moraes erklärte am Sonntag, die Hilfe der Bundesregierung sei bereits genehmigt. Auch die Bundesstaaten von Rondônia und Mato Grosso beantragten wegen der gespannten Lage in den Haftanstalten die Unterstützung der Regierung in Brasília. Die brasilianischen Haftanstalten sind allgemein stark überfüllt. Nach Angaben des Justizministeriums sitzen 622.000 Häftlinge in Gefängnissen mit einer Gesamtkapazität von nur 372.000 Plätzen ein. Brasilien hat nach Angaben des Instituts IPCR die weltweit vierthöchste Zahl an Gefängnis-Insassen nach den USA, China und Russland.