Panorama

Mutationen immer häufiger Wieler: "Virus hat einen Boost bekommen"

Es ist womöglich nur eine Frage der Zeit, bis die mutierten Corona-Varianten auch in Deutschland dominant werden, warnt RKI-Chef Wieler. Schon jetzt treten sie immer häufiger auf, das Virus sei damit insgesamt gefährlicher. Gesundheitsminister Spahn betont indes auch positive Entwicklungen.

Die deutlich ansteckendere Coronavirus-Variante, die zuerst in Großbritannien entdeckt wurde, breitet sich in Deutschland aus. Die Variante B.1.1.7 sei bis Anfang dieser Woche in 13 Bundesländern nachgewiesen worden, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei einer Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Virusvariante mache inzwischen einen Anteil "von etwas weniger als sechs Prozent" aus und sei in den vergangenen Wochen "immer häufiger" nachgewiesen worden.

"Sars-CoV-2 ist gefährlicher geworden", warnte Wieler. Die drei bislang in Deutschland nachgewiesenen Varianten - neben B.1.1.7 die südafrikanische und brasilianische Variante - dominierten das Geschehen noch nicht. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass sich deren Anteil ähnlich wie auch in anderen Staaten erhöht. Es gehe darum, die Ausbreitung der bekannten Virusvarianten zumindest zu verlangsamen und zu verhindern, dass neue Varianten entstehen, betonte Wieler.

Dass die Zahl der Neuinfektionen insgesamt zurückgeht, sei eine "gute Nachricht". Auf der anderen Seite seien die Intensivstationen sehr stark belastet. Es gebe zudem weiterhin Ausbrüche in Altenheimen und viele Todesfälle, mahnte Wieler. "Die Situation ist noch lange nicht unter Kontrolle", sagte er und warnte: "Das Virus ist noch nicht müde, im Gegenteil, es hat gerade noch mal einen Boost bekommen."

Wieder weniger als 200.000 akut Infizierte

Spahn fügte an, erstmals seit drei Monaten gebe es wieder weniger als 200.000 akut Infizierte. "Wir sind auf dem Weg raus aus der Pandemie. Diesen Weg gehen wir entschlossen, aber vorsichtig." Spahn machte deutlich, dass man bei Lockerungen der Einschränkungen den Blick zunächst auf Schulen und Kindergärten richten werde. Bislang ist der Lockdown bis Mitte Februar beschlossen.

In der nächsten Woche wollen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen sowie die Bundesregierung erneut beraten. Ziel der Regierung ist es, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz auf unter 50 zu drücken. Das bedeutet, dass sich innerhalb einer Woche weniger als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner anstecken. Derzeit liegt der Wert bei knapp unter 80. Vor Weihnachten hatte er fast 200 erreicht.

Quelle: ntv.de, mra/AFP/dpa/rts