Panorama

Sächsische Bestatter in Wut "Wir räumen gerade die Altenheime leer"

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Bestatter Christoph Kuckelkorn (r) und ein Mitarbeiter schließen einen Sarg mit einem verstorbenen Corona-Infizierten.

(Foto: picture alliance/dpa)

In keinem anderen Bundesland wütet das Coronavirus so heftig wie in Sachsen. Wegen der vielen Toten kommen die Krematorien mit dem Einäschern kaum noch hinterher. Auch unter den Bestattern wächst die Wut. Sie werden mit Fragen konfrontiert, die sie nicht beantworten können.

Die Krematorien im Freistaat Sachsen haben angesichts der unverändert hohen Todeszahlen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Gegenüber ntv zeigt sich Tobias Wenzel, Oberinnungsmeister der Bestatter in Sachsen, alarmiert: "Wir, die Bestatter, räumen gerade die Altenheime leer. Das macht mich traurig und wütend zugleich." Viele Angehörige kämen mit verzweifelten Fragen auf ihn zu: "Warum sind die Altenheime nicht auf die zweite Welle vorbereitet? Warum sind die dafür politisch Verantwortlichen noch im Amt? Diese Frage stellen mir die Angehörigen", sagt Wenzel.

Am Dienstagabend hatte eine Nachricht aus Zittau für Unruhe gesorgt. Die Stadt gab bekannt, Verstorbene außerhalb des Krematoriums lagern zu müssen, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Einige Krematorien würden auch über die Feiertage arbeiten. Wenzel zufolge gibt es in Sachsen zehn Krematorien mit rund 1700 Kühlplätzen. Die seien im Moment gut ausgelastet. Normalerweise brauche man von der Einlieferung ins Krematoriums bis zur Einäscherung fünf Tage, derzeit seien es zehn.

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Wegen des hohen Bedarfs werde das Standesamt auch an Heiligabend sowie am zweiten Feiertag besetzt sein - um ausschließlich Sterbefälle zu beurkunden, teilte die Stadt mit. Auch nach Weihnachten sei das Amt dann geöffnet. Das Verbringen der Toten zur Feuerbestattung nach Tschechien oder in andere Bundesländer sei keine Option. Der Transport müsste mit Lastkraftwagen erfolgen, was mit der Würde nicht vereinbar sei. Alle Hoffnung liegt nun auf dem Impfstart nach Weihnachten.

Laut Gesundheitsministerin Petra Köpping beginnt Sachsen am 27. Dezember mit den Corona-Schutzimpfungen in drei Pflegeheimen in Radeberg, im Zwickauer Land und im Erzgebirgskreis sowie zusätzlich in Krankenhäusern.

Von Pandemie schwer getroffen

Sachsen ist gemessen an der Inzidenz-Zahl der Corona-Hotspot in Deutschland. Seit Beginn der Pandemie verzeichnete der Freistaat 2547 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus. Zuletzt starben allein an einem Tag 154 Menschen. Mehr als 600 Covid-19-Patienten liegen derzeit auf den Intensivstationen der Kliniken in dem Bundesland. 3374 Erkrankte werden stationär behandelt. In den vergangenen Tagen waren Intensivpatienten bereits in andere ostdeutsche Bundesländer verlegt worden.

Zumindest die Zahl der Corona-Neuinfektionen ging im Vergleich zur Vorwoche jedoch zurück. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch 2728 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Vergangenen Mittwoch (16.12) waren 5603 Neuinfektionen verzeichnet worden. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) sank laut RKI in Sachsen auf 414, am Vortag betrug sie 426,8. Bundesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 195.

Quelle: ntv.de, jug/dpa