Panorama

Sturm zieht in Richtung USA Wo trifft "Irma" auf Land?

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Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde richtete der Sturm Schäden auf mehreren Karibik-Inseln an.

(Foto: REUTERS)

"Irma" ist schwächer geworden. Das sei allerdings kein Grund zur Entwarnung, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander - und erklärt, warum es so schwierig ist, die Bahn des Sturms vorherzusagen.

n-tv.de: Noch sorgt "Irma" auf den Karibischen Inseln für schwere Verwüstungen. Doch schon bald dürfte auch Florida betroffen sein. Wie ist die aktuelle Lage?

Björn Alexander: Wie erwartet hat sich "Irma" im Vergleich zu gestern etwas abgeschwächt und hat nun die zweithöchste Hurrikan-Stufe 4. Das bedeutet aber nicht, dass es in irgendeiner Form eine Entwarnung geben kann. Das zeigt auch der Blick auf die aktuellen Daten: Die mittleren Winde liegen nahe des Auges - an der sogenannten Eye-Wall - bei rund 250 Kilometer pro Stunde Die Windspitzen dürften damit um die 300 Kilometer pro Stunde erreichen. Das ist ein Zerstörungspotenzial, das deutlich jenseits unserer Sturm- und Orkantiefs hier in Mitteleuropa liegt. Denken wir beispielsweise an das Tief "Ela", dessen Kaltfront Pfingstmontag 2014 in Düsseldorf Windböen bis 142km/h brachte. Ein extrem heftiges und schlimmes Ereignis, das aber von den Windgeschwindigkeiten her kaum vergleichbar ist.

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Wie wird sich "Irma" weiter entwickeln?

Die neuesten Berechnungen der Wettermodelle lassen Irma jetzt ganz nahe an Kuba, also an die vorgelagerten Halbinseln heran. Dieser Teil Kubas könnte heute Nacht und morgen früh sowohl wind- als auch regenmäßig stark getroffen werden: Böen über Tempo 200 und Regen an die 500 Liter pro Quadratmeter.

Und anschließend?

Dann nimmt "Irma" Kurs auf Florida und dürfte dort in der Nacht zum Sonntag - am frühen Morgen unserer Zeit - ankommen. Zuerst werden die Florida Keys mit extremen Winden und meterhohen Wellen getroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Florida als Kategorie-4-Hurrikan mit Böen um oder über 250 Kilometer pro Stunde und Mittelwinden um Tempo 200 erreicht, ist sehr hoch. Danach zieht der Tropensturm weiter nordwärts und wird nach jetzigem Stand gegen 14 Uhr Miami erreichen. Es ist aber auch nach den neuesten Modelläufen unsicher, ob "Irma" Miami wirklich voll trifft. Auf dem weiteren Weg nach Norden über Zentralflorida wird sich "Irma" relativ rasch abschwächen, aber nach wie vor noch sintflutartigen Regen mitbringen.

Wenn man die Zugbahn und die Vorhersagen zu "Irma" in den letzten Tagen vergleicht, dann fällt auf, dass es immer wieder unterschiedliche Zugwege geben sollte. Mal rechts an Florida vorbei, dann wieder genau darüber hinweg. Warum ändert sich das von Tag zu Tag, und wie genau berechnet man so etwas überhaupt?

Die Basis der Prognosen bilden einerseits natürlich Mess- und Satellitendaten. Hier geht es um die aktuelle Momentaufnahme. Der nächste Schritt läuft über die Wettermodelle, die die verschiedenen Wetterdienste weltweit berechnen und die auch wir hier in Deutschland für unsere Vorhersagen benutzen. Mit diesen unterschiedlichen Modelldaten können wir Meteorologen dann Vorhersagen machen. Allerdings sind die unterschiedlichen Berechnungen nicht zwingend gleich. Meistens gehen die Prognosen von Vorhersagetag zu Vorhersagetag etwas auseinander. Außerdem berechnen manche Wettercomputer mehrfach am Tag, wie sich das Wetter weiter entwickelt.

Das hört sich aufwendig an.

Das ist es auch. Denn die Großrechner erzeugen enorme Datenmengen für die verschiedenen Höhenschichten für unterschiedlichste Parameter, wie Wind, Regen, Druck, Temperatur, Höhenströmungen, Bewölkung usw. Gleichzeitig werden auch Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre mit einbezogen. Darüber hinaus gibt es dann auch noch weitere Berechnungen, die beispielsweise Klimafaktoren mit einbeziehen. Und das alles wird dann von den Meteorologen in einer Zugbahnvorhersage zusammengebracht. Und weil eben die Wettercomputer in ihren Berechnungen schon mal springen, und kleine Randbedingung schon mal eine große Auswirkung bei der Modellierung haben können, kommt es von Tag zu Tag schon mal zu Abweichungen bei der Zugbahnvorhersage. Die zweite wichtige Prognose betrifft dann die Auswirkungen. Also: Wie stark wird der Wind, wie viel Regen fällt, welche Wellenhöhe ist zu erwarten.

Quelle: n-tv.de

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