Panorama

Vorwurf des Kindesmissbrauchs Würzburger Logopäde steht vor Gericht

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Der 38-Jährige ist weitgehend geständig.

(Foto: dpa)

Jahrelang soll ein Würzburger Logopäde geistig und körperlich behinderte Jungen sexuell missbraucht und Videos der Taten im Darknet verbreitet haben. Nun muss sich der 38-Jährige vor Gericht verantworten. Seine Spuren führen Ermittler zu 42 weiteren Verdächtigen.

Weil er sieben behinderte Jungen über Jahre hinweg in ihrer Kita und den Räumen seiner Praxis sexuell missbraucht haben soll, steht ein Logopäde vor dem Landgericht Würzburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen unter anderem 66 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor. Die Anklage will erreichen, dass außer einer Haftstrafe auch Sicherungsverwahrung angeordnet wird.

Der Fall sorgte in Würzburg für große Sorgen unter den Eltern von Kitakindern - denn erst nach wochenlangen Ermittlungen stand fest, an welchen Kindern sich der Logopäde vergangen hatte. Dieser soll auch Filme und Fotos von seinen Taten angefertigt und die Bilder im sogenannten Darknet verbreitet haben. Rund 23.000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten wurden bei ihm entdeckt. Der Deutsche ist weitgehend geständig.

Die Tatserie soll von 2012 bis 2019 gedauert haben. Das Personal der betroffenen Kitas soll nichts davon mitbekommen haben. Die missbrauchten Kinder waren hochgradig körperlich oder geistig behindert, das jüngste von ihnen war erst zwei Jahre alt. Zum Schutz der Opfer schloss das Gericht zur Verlesung der Anklage die Öffentlichkeit aus. Für das Verfahren sind zunächst elf Verhandlungstage bis zum 30. April angesetzt.

42 weitere Verdächtige

Schon vor Beginn der Verhandlung war bekannt geworden, dass der Fall eine internationale Dimension annimmt und 42 weitere Verdächtige ermittelt wurden. Die bei dem Würzburger Logopäden gefundenen Kinderpornos brachten die Ermittler auf die Spur der anderen mutmaßlichen Täter. Weitere geplante Taten hätten so verhindert werden können, hieß es im vergangenen September zum Abschluss der Ermittlungen gegen den Logopäden.

Die meisten Verfahren seien an die jeweils örtlich zuständige Staatsanwaltschaft in Deutschland abgegeben worden, 17 Fälle an Behörden im Ausland. "Zu den jeweiligen Ländern kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern, die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt ist. Konkret gehe es um Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften und sexuellen Missbrauch von Kindern.

Quelle: ntv.de, ftü/AFP/dpa