Panorama

Kindesmisshandlung endet tödlichYagmurs Eltern schweigen vor Gericht

11.06.2014, 11:47 Uhr
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Die Eltern der getöteten Yagmur (l und r) zu Beginn des Prozesses. (Foto: dpa)

Drei Jahre wird Yagmur nur alt, dann stirbt sie an inneren Blutungen nach einem Leberriss. Die Menschen, die ihr diese schweren Verletzungen zugefügt haben, müssen sich nun verantworten. Es sind ihr Vater und vor allem ihre Mutter.

Vor dem Hamburger Landgericht hat der Prozess gegen die Eltern des zu Tode geprügelten Mädchens Yagmur begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 27 Jahre alten Mutter vor, ihr Kind durch eine Vielzahl von Schlägen und Tritten über einen längeren Zeitraum hinweg brutal getötet zu haben. Sie habe "ohne Mitgefühl" gehandelt, obwohl Yagmur dauerhaft unter Schmerzen gelitten habe. Der zwei Jahre jüngere Vater muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen verantworten. Er soll seine Tochter nicht vor den Misshandlungen geschützt haben.

Zum Auftakt des Verfahrens beriefen sich Mutter und Vater auf ihr Schweigerecht. Der Prozess soll in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Im Fall einer Verurteilung droht Yagmurs Mutter lebenslange Haft.

Derzeit deckt ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft Fehler der Behörden in dem Fall auf. Anfang Mai hatte eine Familienrichterin vor dem Untersuchungsausschuss Versäumnisse eingeräumt. Aus heutiger Sicht hätte sie an einigen Stellen stärker nachhaken sollen, sagte die 58-Jährige. "Hinterher ist man immer schlauer." Sie habe sich zu sehr auf Aussagen einer Jugendamtsmitarbeiterin verlassen, wonach die Pflegemutter, bei der Yagmur kurzzeitig untergebracht war, für eine frühere Misshandlung des Mädchens verantwortlich gewesen sei und die leiblichen Eltern unschuldig seien.

Schon knapp ein Jahr vor dem Tod des Mädchens hatte die Staatsanwaltschaft nach einer Anzeige eines Rechtsmediziners wegen der Misshandlung Yagmurs ermittelt. Das Verfahren wurde gut einen Monat vor dem Tod des Mädchens eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wies jedoch Versäumnisse bei früheren Ermittlungen wegen Kindesmisshandlung zurück. "Ich wüsste nicht, was ich hätte anderes machen können", sagte die damals ermittelnde Staatsanwältin im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Schläge mit schrecklichen Folgen

Die Leiche der dreijährigen Yagmur war am 18. Dezember 2013 in der Wohnung der Eltern im Stadtteil Billstedt gefunden worden. Das Kind starb nach einem Leberriss an inneren Blutungen. Zunächst hatte vor allem der Vater unter Verdacht gestanden, der wegen Körperverletzung, Diebstahls und Drogendelikten polizeibekannt ist.

Die Mutter hatte in ihren Aussagen immer wieder ihren Ehemann belastet. Sie habe sich trennen wollen, dafür habe sich ihr Mann an der gemeinsamen Tochter gerächt. Doch am Ende der Ermittlungen sah die Anklagebehörde bei der Mutter das Mordmerkmal der Grausamkeit erfüllt. Nicht der Vater, sondern sie soll das Mädchen immer wieder geschlagen haben. Als das kleine Mädchen die tödlichen Verletzungen erlitt, war der 25-Jährige zudem auf dem Weg zur Arbeit.

Yagmur wurde seit ihrer Geburt von mehreren Jugendämtern betreut. Doch frühere Hinweise auf Misshandlungen übersahen die zuständigen Mitarbeiter oder interpretierten sie falsch.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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