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Nach Anschlag in Neuseeland Zeugen schildern Horror, Angehörige bangen

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Rettungskräfte im Einsatz nach dem Angriff auf zwei Moscheen in Neuseeland.

(Foto: dpa)

Das sonst so friedliche Neuseeland steht unter Schock. Viele Menschen werden bei einem Anschlag auf zwei Moscheen getötet. Die Überlebenden berichten von grausigen Szenen. Angehörige von Vermissten durchleben furchtbare Stunden des Wartens.

"Ich war gesegnet und hatte Glück", sagt Ramzan Ali der neuseeländischen Zeitung "The Herald". "Allah hat seine schützende Hand über mich gehalten", meint der 62-Jährige. Er ist einer der letzten Muslime, die sich lebend den Weg aus der Masjid-al-Noor-Moschee in Christchurch bahnen konnten.

Das Gotteshaus ist eine der beiden Moscheen, in der bei einem Terrorangriff am Freitagmittag rund 49 Menschen getötet werden. Etwa 50 weitere werden verletzt. Die Polizei ermittelt in der neuseeländischen Stadt an der Ostküste der Insel auf Hochtouren. Vier Verdächtige werden verhaftet, darunter eine Frau. Ein Verdächtiger wird später wieder entlassen.

Ramzan Ali ist zum rituellen Freitagsgebet gekommen, als plötzlich Schüsse fallen und neben ihm Menschen auf den Boden sacken. Ihm gelingt es jedoch, aus einem Fenster der Moschee, am Rande des Hagley Park, zu entfliehen. Der 62-Jährige schätzt, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs rund 300 Menschen in dem Gotteshaus befanden.

"Ich möchte einfach nur wissen, dass er in Sicherheit ist"

Angehörige bangen daher auch Stunden nach dem Attentat noch immer um Lebenszeichen ihrer Liebsten. Ehefrau Azila wartet seit Stunden verzweifelt auf eine Nachricht von ihrem 39-jährigen Mann. "Ich möchte einfach nur wissen, dass er in Sicherheit ist, und bete dafür, einen Anruf von ihm zu erhalten", sagt Azila der neuseeländischen Zeitung.

Ihr Mann war gegen ein Uhr mit ihrem gemeinsamen elfjährigen Sohn zum Freitagsgebet in die Moschee aufgebrochen. Der Sohn befindet sich bereits in Sicherheit. Aber von ihrem Ehemann fehlt weiterhin jede Spur. Zum Zeitpunkt der Schüsse befand er sich wohl in der Moschee.

Die Nacht über verharrten etliche verängstigte Familienmitglieder und enge Freunde vor dem Krankenhaus in Christchurch, in der Hoffnung, dass sich unter den eingelieferten Verletzten ihre vermissten Angehörigen befinden. Neuseeländischen Medien berichten von bedrückenden Szenen auf den Straßen von Christchurch.

Wartende verfallen immer wieder in Weinen und lautes Schluchzen. Mahdi Zougub, die an diesem Ort schlechte Nachricht über den Zustand eines ihr nahe stehenden Freundes übermittelt bekommt, sagt "The Herald": "Wir befürchten, dass unser Freund gegangen ist."

"Alle sind geschockt."

Ein anderer Mann dagegen darf das Krankenhaus verlassen, wenn auch mit verletzten Beinen und Händen. "Ich kann es nicht glauben", sagte er der Zeitung immer wieder. Er ist glücklich und erleichert, seine Kinder an diesem Freitag ausnahmsweise nicht mit zum Gebet in die Moschee genommen zu haben.

Der Anschlag trifft Christchurch hart. Neuseeland gilt als vergleichsweise ruhig und sicher, auch wegen seiner geografischen Abgeschiedenheit. Nur eine kleine Minderheit in der Bevölkerung ist muslimischen Glaubens. Keiner hier hat mit einem Angriff in dieser Form gerechnet. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte kurz nach der Tat: "Alle sind geschockt."

Die neuseeländische Polizei hat indessen eine Telefonnummer freigeschaltet und eine Website eingerichtet, auf der Familienmitglieder und nahestehende Angehörige sich registrieren und Vermisste melden können, um die Suche nach ihnen zu erleichtern. Aber auch Vermisste können sich dort eintragen und aufzeigen, dass sie in Sicherheit sind. Damit soll dem entsetzlichen Warten ein schnelles Ende gesetzt werden.

Quelle: n-tv.de, nen

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