Panorama

Weiße Miliz bei Protesten? Zivilisten liefern sich tödliche Schießerei

aec3d3f34d3a5ac6a2dde3881835906e.jpg

300 bis 400 Demonstranten gingen in Kenosha auf die Straße - es kam untereinander zu Gewaltausbrüchen.

(Foto: INSTAGRAM / @LOURIEALEX)

Seit Tagen beherrschen Proteste gegen Polizeigewalt die Straßen der US-Kleinstadt Kenosha. Trotz Ausgangssperre gehen Hunderte Menschen auf die Straße. Neben Auseinandersetzungen mit den Beamten kommt es nun auch zu einer tödlichen Schießerei unter den Zivilisten.

In Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin ist es bereits den dritten Tag in Folge zu Protesten gekommen, nachdem ein Schwarzer bei einem Polizeieinsatz schwer verletzt worden war. Dabei kam es zu einer Schießerei, bei der drei Personen getroffen wurden, zwei davon tödlich, wie die Polizei auf Twitter erklärte. Die dritte Person befinde sich im Krankenhaus mit schweren, aber nicht lebensbedrohlichen Verletzungen. Ermittelt wird Medienberichten zufolge, ob die Schüsse im Zusammenhang mit der Anwesenheit bewaffneter, selbsternannter weißer Milizen in der Stadt standen.

Am Dienstagabend hielt sich mindestens eine Gruppe hauptsächlich weißer und schwer bewaffneter Männer in Kenosha auf, die nach eigenen Angaben Grundstücke vor Angriffen von Demonstranten schützen wollten. Wie die "New York Times" berichtete, ging die Polizei dem Verdacht nach, dass die tödlichen Schüsse ihren Ursprung in einem Streit zwischen Protest-Teilnehmern und einer bewaffneten Gruppe hatten, die eine Tankstelle bewachten. Die tödlichen Schüsse ereigneten sich nach Polizeiangaben kurz vor Mitternacht. Ermittlungen seien im Gange. Auch habe die Polizei Kenntnis von Videos in den Online-Netzwerken "im Zusammenhang mit diesem Vorfall".

Auf einem von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Video war ein stark blutender Mann mit einer Schusswunde zu sehen. Die Polizei rief daraufhin Verstärkung, Beamte halfen dem Mann auf die Beine. Ein weiteres Video zeigte einen offenbar mit einem Gewehr bewaffneten Mann, der zu Boden fiel, kurz bevor mehrere Schüsse zu hören waren. Andere Menschen auf dem Video liefen panisch davon und forderten einander auf, Schutz zu suchen.

Die Demonstrationen waren zu Beginn größtenteils friedlich verlaufen. Bereits am Sonntag und Montag hatte es aber vereinzelt Ausschreitungen gegeben, bei denen Demonstranten auch Autos angezündet oder Feuer an Gebäuden gelegt hatten.

28f092b53acdf3f16aa2967eb420bc01.jpg

Ausnahmezustand in Kenosha. Die Nationalgarde soll die Proteste eindämmen.

(Foto: REUTERS)

Die Behörden hatten daher wiederholt eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. In der Nacht zu Mittwoch lieferten sich 300 bis 400 Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Tränengas einsetzte. Anders als in den vorangegangenen Nächten wurden aber offenbar keine Gebäude in Brand gesteckt.

"Wunder, wenn Jacob Blake jemals wieder laufen würde"

Der Fall Jacob Blake sorgt seit Tagen für Proteste und Ausschreitungen in Kenosha. Ein Polizist hatte dem 29-Jährigen am Sonntag mehrfach aus nächster Distanz in den Rücken geschossen. Ein Video zeigt, wie Blake auf ein Auto zugeht gefolgt von zwei Polizisten, von denen einer auf ihn schießt, als er die Autotür öffnet. Blake ist nach Aussage seiner Familie zumindest vorübergehend gelähmt.

"Es wäre ein Wunder, wenn Jacob Blake jemals wieder laufen würde", sagte Ben Crump, der als Rechtsanwalt die Familie vertritt. Der sechsfache Vater habe versucht, einen Streit zwischen zwei Frauen zu schlichten. Ein Polizist habe insgesamt sieben Schüsse abgefeuert, davon hätten ihn vier getroffen, während drei Söhne im Alter von drei, fünf und acht Jahren im Auto saßen, erklärte Crump. Es gebe keine Hinweise, dass Blake bewaffnet gewesen sei.

Die Polizei hat bislang nicht erklärt, warum auf Blake geschossen wurde. Seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einer Kontrolle durch weiße Polizisten im Mai kommt es in den USA immer wieder zu Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Zum Teil schlugen die Proteste in Gewalt um.

Quelle: ntv.de, mba/fzö/rts/AFP