Panorama

Gerettete aus dem Hotel Rigopiano Zwischen Leid und unfassbarem Glück

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Am verschütteten Hotel Rigapiano stehen die Retter im gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit.

(Foto: dpa)

Auch vier Tage nach dem Lawinenunglück in Italien graben die Retter weiter. Unterdessen werden die persönlichen Schicksale der Verschütteten bekannt. Ein Überlebender berichtet, wie er die Hand seiner Frau gehalten hat, bis sie immer kälter wurde.

Seit vier Tagen und Nächten graben die Rettungskräfte in den Abruzzen nach Vermissten im Hotel Rigopiano. Das vierstöckige Gebäude war am vergangenen Mittwoch von einer Lawine erfasst und unter Schnee, Eis und Geröll begraben worden. Bisher wurden neun Menschen lebend aus den Trümmern gezogen, sechs wurden tot geborgen, zwei überlebten, weil sie zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Hotel waren. 23 Menschen werden weiter vermisst.

Im gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit versuchen die Spezialisten, Handy-Signale unter Schnee und Geröll zu orten und Vermisste so zu lokalisieren. Die oberste Krisenmanagerin des nationalen Zivilschutzes, Immacolata Postiglione, beschrieb dieses Vorgehen als "chirurgischen Eingriff", der ein weiteres Einstürzen des fast völlig zerstörten Gebäudes verhindern solle.

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Es sind noch Dutzende, die unter Schnee und Trümmern begraben liegen.

(Foto: REUTERS)

Unterdessen werden die persönlichen Schicksale von den Menschen bekannt, die in dem Vier-Sterne-Hotel am Fuß des Gran Sasso Ferien gemacht hatten. Einer der Überlebenden ist der 33-jährige Giampolo M., der mit seiner Frau Valentina ein paar Tage Urlaub verbringen wollte. Die fünfjährige Tochter ließ das Paar aus Rom bei den Großeltern. Während Giampolo lebt, gilt Valentina weiter als vermisst, doch die Hoffnung, dass sie das Unglück überlebt, ist gering. "Ich habe mit ihr gesprochen, damit sie wach bleibt. Doch sie wurde immer schwächer. Irgendwann hat sie nicht mehr geantwortet. Ich habe ihre Hand gehalten, sie wurde immer kälter", zitiert die "Bild"-Zeitung den 33-jährigen Familienvater.

Und da ist der neun Jahre alte Edoardo, der sich mit anderen Kindern im Billardraum aufhielt, als die Lawine - laut Experten mit der Wucht von 4000 voll beladenen Lkw - in das Hotel krachte. Die Kinder überlebten dort mehr als 50 Stunden. Als sie Edoardo ins Krankenhaus von Pescara bringen wollten, sagte er, er wolle nicht ohne seine Eltern gehen. Seine Mutter hatten die Helfer schon geborgen, leblos.

Das große Glück der Familie Parete

Die einzig glückliche Geschichte ist die der vierköpfigen Familie Parete. Alle Familienmitglieder überlebten. Vater Giampiero, ein 38-jähriger Koch von der Adriaküste, hatte Tabletten für seine Frau Adriana aus dem Auto geholt, als die Lawine niederging. Sie war mit ihren Kindern Gianfilippo und Ludovica drinnen geblieben. Die sechsjährige Ludovica spielte mit Edoardo Billard, der acht Jahre alte Gianfilippo saß bei der Mutter in der Lobby als das Unglück hereinbrach. Sie habe ihren Sohn umarmt und ihn für die nächsten 40 Stunden nicht mehr losgelassen, erzählte Adriana italienischen Medien. Als die beiden schließlich gerettet werden, können sie ihr Glück kaum fassen. Ludovica hatte wie alle Kinder, die im Billardraum waren, überlebt.

Derweil kommen immer mehr Fragen zu einem möglichen Versagen der Behörden auf. Es geht unter anderem darum, warum eine angefragte Schneefräse zu spät an dem völlig verschneiten Hotel eintraf. Zeitungen veröffentlichten eine E-Mail des Hoteldirektors, in der dieser Stunden vor dem Unglück Hilfe anforderte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Auch wird Hinweisen nachgegangen, wonach Notrufe nach dem Unglück nicht ernst genommen worden sein sollen.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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