Politik

Russischer Einsatz in Syrien 10.000 Menschen sollen getötet worden sein

Seit einem Jahr bombardiert die russische Luftwaffe Ziele im Bürgerkriegsland Syrien. Mehr als ein Drittel der Opfer von russischen Bomben seien Zivilisten, so die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Russland weist die Zahl zuück.

Durch die russischen Luftangriffe in Syrien sind innerhalb eines Jahres nach Angaben von Aktivisten fast 10.000 Menschen getötet worden. Mehr als ein Drittel der Todesopfer sind Zivilisten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Unter den Toten seien auch mehr als 900 Kinder. Russland wies die Zahlen als unglaubwürdig zurück.

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Russische SU-34 bei einem Angriffsflug in Syrien.

(Foto: AP)

Das russische Militär hatte am 30. September 2015 militärisch in den Bürgerkrieg eingegriffen, um Syriens Regime zu unterstützen. Die Angriffe der Luftwaffe richten sich gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und gegen gemäßigtere Regimegegner. Die Rebellengebiete im Osten der umkämpften nordsyrischen Großstadt Aleppo hatten in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen seit Beginn des Bürgerkrieges vor mehr als fünf Jahren erlebt. Die USA drohen Russland deswegen mit einem Abbruch der Kooperation in Syrien.

"Die jüngsten Erklärungen der USA sind eine unannehmbare Drohung. Wir meinen, dass die russisch-amerikanische Syrien-Vereinbarung umgesetzt werden sollte", sagte Außenminister Sergej Lawrow der BBC. Die genaue Zahl der Toten durch Russlands Luftangriffe beziffern die Menschenrechtler auf 9364. Darunter seien 3804 Zivilisten, 2746 Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie mehr als 2814 Kämpfer anderer Regimegegner.

Die Menschenrechtsaktivisten warfen Russlands Luftwaffe zugleich vor, Brand- und Streubomben einzusetzen. Lawrow wies dies zurück: "Wir verwenden keine verbotene Munition." Die Menschenrechtsbeobachter haben ihren Sitz in Großbritannien, stützen ihre Angaben aber auf ein dichtes Netz an Informanten in Syrien. Sie gelten allgemein als sehr zuverlässig. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte hingegen in Moskau, es sei fraglich, ob eine in Großbritannien angesiedelte Organisation wirklich wisse, was in Syrien geschehe. Ziel der Operation sei die Unterstützung der syrischen Armee im Kampf gegen Terroristen. Auf diesem Weg habe es Erfolge gegeben.

MSF: Ost-Aleppo ist "gigantische Todeszone"

"Wenn man berücksichtigt, dass weder der Islamische Staat noch Al-Kaida oder die Nusra-Front in Damaskus Fuß gefasst haben, ist das wahrscheinlich das wichtigste Ergebnis unserer Unterstützung für die legitime Armee Syriens", sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erklärte, der "willkürliche Beschuss" belagerter Viertel in Aleppo habe "ein Blutbad unter den Zivilisten angerichtet". Der ganze Osten der Stadt habe sich in eine "gigantische Todeszone" verwandelt. Syriens Regierung müsse die willkürlichen Angriffe stoppen, forderte MSF. Ihr Verbündeter Russland sei in der Pflicht, den nötigen Druck auszuüben.

Erst vor zwei Tagen waren MSF zufolge in Aleppos Osten erneut zwei Kliniken getroffen worden und mussten den Betrieb einstellen. Alle Intensivstationen in den Krankenhäusern seien voll. "Patienten müssen darauf warten, dass andere sterben, um ein Bett zu bekommen", erklärte MSF. Ärzte und Pfleger arbeiteten 20 Stunden am Tag. Im Osten Aleppos sind bis zu 300.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Es fehlt akut an Nahrung, Trinkwasser und medizinischem Material. Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Save the Children, Ahmad Baroudi, sagte, eine Trinkwasseranlage sei bombardiert worden und bis auf Weiteres außer Betrieb. Der größte Teil Ost-Aleppos sei ohne Wasserversorgung. Die Trinkwasseranlage liegt nahe der Front im Nordosten der Stadt, wo es auch am Donnerstag heftige Kämpfe zwischen Regime und Rebellen gab.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte die Konfliktparteien in Syrien auf, dringende medizinische Hilfe für Kranke und Verletzte in Aleppo zu ermöglichen. "Die Lage (in Aleppo) ist herzzerreißend und macht einen wütend", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf. Der WHO zufolge Helfer nicht nach Ost-Aleppo gelangen, weil sie sich damit selbst in Lebensgefahr begeben würden.

Quelle: ntv.de, wne/dpa

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