Politik

Grenzpolizei hält US-Bürger fest 18-Jähriger wochenlang zu Unrecht interniert

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Der 18-Jährige war mit zahlreichen anderen Menschen in dem Internierungslager untergebracht. (Symbolbild)

(Foto: AP)

Francisco Galicia wurde in den USA geboren. Trotzdem muss er 23 Tage lang unmenschliche Zustände in einem Internierungslager für illegale Migranten über sich ergehen lassen. Er darf sich nicht die Zähne putzen, nicht duschen und muss auf dem Boden schlafen.

Ein 18-Jähriger ist mehr als drei Wochen unrechtmäßig in Gewahrsam der amerikanischen Grenzbehörden festgehalten worden. Der junge Mann, der in den USA geboren ist, wurde erst nach 23 Tagen entlassen, nachdem mehrere Medien in dieser Woche über sein Schicksal berichtet hatten und der öffentliche Druck zu groß geworden war. Was war passiert?

Francisco Galicia wohnt mit seiner Familie in der texanischen Stadt Edinburg, die in der Nähe der Grenze zu Mexiko liegt. Als er vor einigen Wochen mit Freunden und seinem Bruder auf dem Weg zu einem Fußball-Talentwettbewerb war, wurde er an einem inländischen Checkpoint von Grenzschutz-Mitarbeitern gestoppt. Mehrere Medien berichten, dass die Beamten ihn trotz eines Personalausweises, einer gültigen Geburtsurkunde und seiner Sozialversicherungskarte als illegalen Migranten einstuften.

Der junge Mann wurde in Gewahrsam genommen, durfte niemanden anrufen - weder seine besorgte Mutter, die nicht wusste, wo ihre Söhne geblieben waren, noch einen Anwalt. Nach einigen Tagen brachten ihn die Beamten in ein Internierungslager der Polizei- und Grenzbehörde ICE.

Dass Francisco Galicia schließlich aus seiner misslichen Lage befreit wurde, verdankt er seinem jüngeren Bruder Marlon. Der 17-Jährige hielt sich im Gegensatz zu Francisco illegal in den USA auf, weil er in Mexiko geboren wurde. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass Marlon zustimmte, in sein Geburtsland gebracht zu werden. Von dort aus gelang es ihm, seine Mutter über den Vorfall zu informieren.

Francisco nahm 12 Kilogramm ab

Eine eingeschaltete Anwältin nahm dann Kontakt zu den Behörden auf. Sie bezeichnete das Vorgehen als "racial profiling" - nur weil die jungen Männer augenscheinlich mexikanischer Abstammung waren, wurden sie 120 Kilometer von der Grenze entfernt angehalten und ihre Identitäten überprüft. Ein falsches Touristen-Visa für Mexiko wurde Francisco dann zum Verhängnis. Auf diesem war irrtümlich Mexiko als sein Geburtsland vermerkt. Grund genug für die Grenzpolizei CBP, seine anderen gültigen Dokumente zu hinterfragen.

Normalerweise dürfen Menschen in diesem Fall von den US-Grenzschutzbehörden nicht länger als 72 Stunden festgehalten werden, schreibt AP. Doch inzwischen sei es gängige Praxis, längere Internierungen vorzunehmen. Erst wenige Tage vor seiner Entlassung in dieser Woche wurde Francisco Galicia in eine ICE-Haftanstalt gebracht, von wo aus er seine Mutter anrufen konnte.

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, verlor Francisco knapp 12 Kilogramm durch die Haftumstände. Er sei mit 60 anderen Menschen auf engstem Raum untergebracht gewesen. Er konnte seine Zähne nicht putzen und sich nicht waschen. Er bekam wenig zu essen und musste auf dem Boden schlafen.

Seine Mutter zeigte sich über seine Heimkehr überglücklich. Doch ihr halbes Herz hänge nun in Mexiko. "Wir reden mit Marlon jeden Tag, aber wir wollen, dass er hierher nach Hause zurückkommt." Die Geschichte hat derweil ein juristisches Nachspiel. Sie wolle die verantwortlichen Grenzbehörden verklagen, sagte Sanjuana Galicia dem "Guardian".

Quelle: ntv.de, fzö