Politik
30 Prozent der Befragten fühlen sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen.
30 Prozent der Befragten fühlen sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen.(Foto: picture alliance/dpa)
Donnerstag, 08. November 2018

Studie zu Pflege von Angehörigen: 185.000 Pflegende stehen kurz vor Aufgabe

Die Zahl der Älteren steigt und mit ihnen die Zahl von Angehörigen, die sich für die Pflege ihrer Nächsten aufopfern. Der Pflegereport der Barmer zeigt, dass sich viele der 2,5 Millionen Pflegenden überfordert fühlen. Sie brauchen dringend Unterstützung.

Der Pflegenotstand droht sich einer Umfrage zufolge dramatisch zu verschärfen. 185.000 von rund 2,5 Millionen Personen, die Angehörige zu Hause pflegen, stünden kurz davor, diesen Dienst einzustellen, heißt es im Berlin vorgestellten Pflegereport der Barmer. 164.000 Personen wollten nur mit mehr Hilfe weiter pflegen. 20.000 wollen auf gar keinen Fall weitermachen. Die Zahl der Ausgebrannten könnte noch höher liegen, da zu Tausenden Pflegenden gar keine Daten vorliegen.

Barmer-Chef Christoph Straub warnte: "Ohne pflegende Angehörige geht es nicht." Es sei höchste Zeit, dass diese frühzeitig besser unterstützt, beraten und von überflüssiger Bürokratie entlastet würden.

Laut der Studie gibt es in Deutschland rund 2,5 Millionen pflegende Angehörige, darunter rund 1,65 Millionen Frauen. Nur ein Drittel aller Betroffenen gehe arbeiten, jeder Vierte habe seine Arbeit aufgrund der Pflege reduziert oder ganz aufgeben müssen. Die Pflege bestimme bei 85 Prozent der Betroffenen das tägliche Leben.

Kosten für Pflege nehmen drastisch zu

"Viele pflegende Angehörige sind an der Grenze der Belastbarkeit angekommen", erläuterte Studienautor Heinz Rothgang von der Uni Bremen. Pflegende Angehörige sind der Studie zufolge häufig krank: 55 Prozent leiden demnach unter Rückenbeschwerden und 48,7 Prozent unter psychischen Störungen. Fast 40 Prozent der Betroffenen fehlt laut Rothgang Schlaf. 30 Prozent fühlten sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen. Jedem Fünften sei die Pflege eigentlich zu anstrengend. 

Dem Pflegereport zufolge sind die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung 2017 um 7,25 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Einnahmen lagen um vier Milliarden Euro höher. Die Zahl der Pflegebedürftigen wuchs von 1999 bis 2015 bundesweit um mehr als 50 Prozent auf 3,04 Millionen.

Die große Koalition will am Freitag ein umfassendes Pflegepaket im Bundestag verabschieden, das unter anderem ein Sofortprogramm für 13.000 neue Pflegestellen in der stationären Altenpflege beinhaltet.

Quelle: n-tv.de