Politik

Erneutes Blutbad mit 80 Toten 19 Menschen in Myanmar zum Tode verurteilt

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Die Gewalt der Militärs hält die Menschen nicht davon ab, weiter auf die Straße zu gehen.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Myanmars Militärregierung verhängt gegen mehr als ein Dutzend Menschen die Todesstrafe. Es soll sich dabei um Zivilisten handeln, die gegen die Junta protestiert haben. Bei Demonstrationen kommt es derweil erneut zu einem Blutbad mit mehr als 80 Toten.

In Myanmar sind nach Medienangaben 19 Menschen zum Tode verurteilt worden. Sie sollen im Zusammenhang mit der Tötung des Angehörigen eines Militärs schuldig gesprochen worden sein, zitierte der militäreigene Sender Myawaddy TV eine Junta-Mitteilung. 17 der Verurteilten seien noch auf der Flucht. Der Vorfall ereignete sich demnach am offiziellen Gedenktag der Armee am 27. März im unter Kriegsrecht stehenden Stadtteil North Okkalapa in Yangon. Anwohnern und örtlichen Medien zufolge handelte es sich bei den Verurteilten um Zivilisten, die gegen den Militärputsch gegen Regierungschefin Aung San Suu Kyi protestiert hatten. An dem Tag hatte die Militärgewalt in Myanmar mit mehr als 100 Toten ihren bisherigen Höhepunkt erreicht.

Junta-Angehörige und Polizisten sollen bei landesweiten Protesten mit scharfer Munition und gezielten Kopfschüssen gegen unbewaffnete Zivilisten vorgegangen sein. "An dem Tag haben sie Menschen in unserem Stadtteil getötet und Schüsse in die Häuser von Zivilisten abgefeuert", sagte Min Min, ein Einwohner North Okkalapas. Vor dem jetzigen Todesurteil habe das Militär den Leichnam eines Angehörigen gefunden und Menschen in den Stadtteilen dafür verhaftet, sagte er. "Aber sie können uns töten, wie es ihnen gefällt, und nach den Gesetzen regieren, die ihnen passen."

Am Freitag hatte die Junta von Plänen gesprochen, den von ihr verhängten einjährigen Ausnahmezustand in dem Krisenland "um sechs Monate oder länger" auszudehnen, wie ihr Sprecher Zaw Min Tun in einem Interview des US-Senders CNN sagte. Gleichzeitig versicherte er, dass "freie und faire Wahlen" organisiert würden, wie es von der Verfassung vorgegeben sei. "Die demokratischen Standards in Myanmar werden aber nicht die gleichen sein wie in westlichen Ländern." Die Militärgewalt bezeichnete er als Reaktion auf Krawalle von Demonstranten.

Sicherheitskräfte setzen Gewehrgranaten ein

Nach neuer Gewalt gegen Protestierende am Freitag sind nach Angaben von Bürgerrechtlern am Freitag mehr als 80 Menschen getötet worden. In der Stadt Bago nahe der Metropole Yangon hätten die Sicherheitskräfte Gewehrgranaten eingesetzt, um die Demonstranten auseinanderzutreiben, berichteten die Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) und das Nachrichtenportal "Myanmar Now". 82 Menschen seien dabei ums Leben gekommen.

Auch am Samstag gingen landesweit Protestierende auf die Straßen. Angaben zu Opfern unter den Demonstranten gab es zunächst nicht. Unterdessen wurden Medienberichten zufolge im nördlichen Shan-Staat mehr als ein Dutzend Polizisten bei einem Angriff bewaffneter ethnischer Gruppen getötet. Die Attacke auf eine Polizeistation in der Nähe der Stadt Lashio dauerte rund eine Stunde, wie das Portal "Myanmar Now" unter Berufung auf Zeugen berichtete. Erst als Hubschrauber der Junta zur Stelle kamen, zogen sich die Angreifer demnach zurück. Die Polizeistation habe in Flammen gestanden, mehrere Menschen seien verletzt worden.

Das Bündnis dreier Rebellengruppen hatte Ende März gedroht, die Bevölkerung zu unterstützen, sollte die Junta die Gewalt nicht beenden. Die neue Militärführung müsse die politische Krise lösen und auf die Forderungen der Bevölkerung eingehen. Wenn das Militär diese Forderungen nicht erfülle und weiter töte, dann werde man den Menschen dabei helfen, sich selbst zu verteidigen, hieß es damals in einer Mitteilung.

Im Vielvölkerstaat Myanmar leben 135 staatlich anerkannte Ethnien. Besonders im Kachin-Staat im Norden und im Shan-Staat im Osten kommt es schon lange zu immer neuen Kämpfen zwischen dem Militär und bewaffneten Gruppen. Mehr als 20 ethnische Gemeinschaften kämpften landesweit schon lange vor dem Umsturz für mehr Autonomie und Selbstbestimmung.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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