Politik

Von Russen gejagt AP-Reporter entkommen aus Mariupol

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Mit diesem Auto verließen die beiden Reporter die Stadt.

(Foto: AP)

Mit einer aufrüttelnden Reportage berichteten zwei ukrainische Journalisten der Nachrichtenagentur Associated Press aus dem von russischen Truppen belagerten Mariupol. Nun gelingt ihnen die Flucht aus der Stadt.

Die beiden ukrainischen Journalisten, die mit einer erschütternden Reportage aus Mariupol Aufsehen erregten, haben die Stadt mittlerweile verlassen. Wie einer von ihnen in einem Bericht der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) schreibt, konnten sie die von russischen Truppen belagerte Stadt mit einem Auto verlassen. Ein Kommando der ukrainischen Armee habe sie zum Verlassen der Stadt aufgefordert, schreibt Mstyslav Chernov darin, der gemeinsam mit dem Fotografen Evgeniy Maloletka aus der Stadt berichtet hatte. Ihren Angaben zufolge waren sie die letzten Journalisten, die für internationale Medien berichteten. Ihre aufrüttelnde Reportage erschien auf Deutsch und in voller Länge bei ntv.de.

"Die Russen machten Jagd auf uns. Sie hatten eine Liste mit Namen, darauf auch unsere, und sie kamen immer näher", heißt es in dem neuen Bericht über die Flucht aus der Stadt. Ukrainische Soldaten hätten die AP-Reporter gesucht und zunächst an einen sicheren Ort gebracht und ihnen dann ein Auto vermittelt, das sie gemeinsam mit Tausenden anderen Bewohnern der Stadt über einen Fluchtkorridor aus der Stadt in sicheres, von der Ukraine kontrolliertes Gebiet brachte. Laut Chernov passierten sie dabei mit einer Familie, die ebenfalls im Auto saß, 15 russische Kontrollpunkte. Da an jenem Tag so viele Autos die Stadt verließen, seien diese nicht streng überprüft worden.

Ein Polizist habe ihnen gesagt, warum die Ukraine ihre Soldaten einsetze, um sie vor den Russen zu retten: "Wenn sie euch fassen, stellen sie euch vor eine Kamera und zwingen euch zu sagen, dass alles, was ihr gefilmt habt, eine Lüge sei." Dann wären alle Bemühungen vergebens gewesen. "Ich fühlte eine erstaunliche Dankbarkeit gegenüber den Soldaten, war aber auch wie taub. Und schämte mich, dass ich die Stadt verließ", so Chernov weiter.

Beim Passieren der russischen Kontrollpunkte hätten sich seine Hoffnungen zerstreut, dass Mariupol gehalten werden könnte, so viele schwere Waffen habe er dort gesehen. Die ukrainischen Truppen seien für einen Durchbruch zu weit entfernt. "Als wir den 16. Kontrollpunkt erreichten, hörten wir Stimmen. Ukrainische Stimmen. Ich fühlte eine überwältigende Erleichterung. Die Mutter auf dem Beifahrersitz brach in Tränen aus. Wir waren draußen."

In ihrer Reportage hatten Chernov und Maloletka die ersten zwei Wochen des Krieges in Mariupol beschrieben. Unter anderem berichteten sie über einen Angriff auf eine Geburtsklinik, der weltweit Empörung auslöste. Russland versuchte daraufhin, entsprechende Meldungen als Fälschung darzustellen, und behauptete, eine fotografierte Mutter sei eine Schauspielerin.

Quelle: ntv.de, vpe

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