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Überraschende Geste Abbas erkennt den Holocaust an

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Palästinenserpräsident Abbas. Er solle zwischen einem Pakt mit der Hamas und einem echten Frieden mit Israel wählen, findet Netanjahu.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Holocaust sei das schlimmste Verbrechen der Neuzeit, sagt Palästinenserpräsident Abbas. Seine Haltung ist neu - und überrascht. Israels Ministerpräsident Netanjahu zweifelt an ihrer Ernsthaftigkeit. Denn wie steht es um den Pakt mit der radikalislamischen Hamas?

Erstmals bezeichnet Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Judenvernichtung in der NS-Zeit als das "schlimmste Verbrechen der Neuzeit". Abbas äußerte sich während eines Treffens mit einem Rabbiner. Dabei drückte er auch sein Mitgefühl aus mit den Hinterbliebenen der Opfer sowie "mit den vielen unschuldigen Menschen, die von den Nazis ermordet wurden". Die Erklärung kam überraschend, denn für gewöhnlich äußern sich arabische Führer nicht zum Holocaust-Gedenktag in Israel.

Bündnis mit Israels Erzfeind

Noch vor drei Jahrzehnten hatte Abbas in seiner Doktorarbeit den Holocaust relativiert und der zionistischen Bewegung vorgeworfen, sie habe mit dem Hitler-Regime kollaboriert. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kommentierte die aktuelle Äußerung des Palästinenserpräsidenten mit den Worten, Abbas wolle nur die Weltöffentlichkeit besänftigen. Er warf Abbas vor, er habe einen Bund mit der radikalislamischen Hamas geschlossen, die die Judenvernichtung leugne und die Zerstörung des Staates Israel anstrebe - und damit einen zweiten Holocaust. Abbas solle "zwischen einem Pakt mit der Hamas und einem echten Frieden mit Israel wählen".

Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur "Wafa" sagte Abbas, der Holocaust sei ein Ausdruck des Rassismus, "den wir ablehnen und bekämpfen". Die Palästinenser, die immer noch in Unterdrückung und ohne Freiheit und Frieden lebten, seien "die ersten, die ein Ende von Ungerechtigkeit und Diskriminierung fordern", ganz gleich, gegen wen sie gerichtet seien. "Anlässlich der schmerzhaften Erinnerung an den Holocaust rufen wir die israelische Regierung dazu auf, diese Gelegenheit zu ergreifen, einen gerechten und umfassenden Frieden auf der Basis einer Zwei-Staaten-Lösung zu erzielen - Palästina und Israel, die Seite an Seite in Sicherheit und Frieden leben."

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßte die Äußerungen des Palästinenserpräsidenten. "Die Leugnung des Holocaust ist leider in der arabischen Welt und auch unter Palästinensern verbreitet", teilte eine Sprecherin der Einrichtung in Jerusalem mit. Abbas' Worte könnten daher einen Kurswechsel signalisieren. Man erwarte, dass sich dies auch in Webseiten der Palästinenserbehörde, Lehrplänen und im öffentlichen Diskurs spiegeln werde. "Die Anerkennung der Verbrechen des Holocaust ist grundlegend für jeden Menschen, der sich ehrlich mit der Geschichte auseinandersetzen will."

"Todesstoß" für die Friedensbemühungen

Israel hat die im Juli unter US-Vermittlung wiederaufgenommenen Friedensgespräche mit den Palästinensern ausgesetzt. Als Grund gibt die Regierung die Bemühungen von Abbas' Fatah-Organisation an, sich mit ihrer Rivalin, der radikal-islamischen Hamas, auszusöhnen. Die Hamas hatte 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernommen. Seitdem regiert die Fatah von Abbas nur noch im Westjordanland. Israel hatte deshalb der Palästinenserführung in Ramallah mehrmals vorgeworfen, sie vertrete nicht das ganze palästinensische Volk.

Abbas betonte am Samstag bei einer Rede vor dem PLO-Zentralrat in Ramallah, auch eine Regierung mit der Hamas werde Israel anerkennen. Er wolle drei Monate weiterverhandeln, wenn dabei zunächst die Grenzen eines künftigen Palästinenserstaates abgesteckt würden. Während dieser Zeit solle Israel einen völligen Baustopp im Westjordanland und Ostjerusalem erklären. Zudem müsse Israel, wie bereits zu Beginn der Verhandlungen Ende Juli vergangenen Jahres zugesagt, eine vierte und letzte Gruppe palästinensischer Häftlinge freilassen.

Israel bezeichnete seine Äußerungen als "Todesstoß" für die vor neun Monaten unter US-Vermittlung wiederaufgenommenen Friedensgespräche. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte beide Seiten zur Fortsetzung der Friedensgespräche auf. "Verhandlungen sind der beste Weg", mahnte Ashton. "Die enormen Anstrengungen der vergangenen Monate dürfen nicht verschwendet werden."

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

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