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Ex-Rockerboss fürchtet Rache Abu-Walaa-Prozess: Gericht inhaftiert Zeugen

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Der ehemalige Boss der Rockergruppe Satudarah vor Gericht. (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Prozess gegen den mutmaßlichen IS-Prediger Abu Walaa soll ein ehemaliger Rockerchef aussagen. Doch im Zeugenstand beruft sich der 43-Jährige auf Erinnerungslücken. Für das Gericht Grund genug, ihn in Beugehaft zu nehmen.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, hat das Oberlandesgericht Celle einen als Zeugen geladenen Ex-Rockerchef in Beugehaft genommen. Der ehemalige Boss der inzwischen verbotenen Rockergruppe Satudarah aus Duisburg wurde in Handschellen aus dem Verhandlungssaal geführt und in eine Zelle des Gerichts gebracht.

Zuvor hatte sich der 43-Jährige bei praktisch allen Fragen des Gerichts auf Erinnerungslücken berufen und zu verstehen gegeben, dass er Repressalien der Islamisten befürchtet. Das Gericht wertete dies als unzulässige Zeugnisverweigerung und verhängte eine Beugehaft von bis zu sechs Monaten. Der Rocker bat daraufhin um ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Vorsitzenden Richter. 

Der Ex-Rockerchef saß mit einem mitangeklagten Islamisten aus Abu Walaas Netzwerk im Gefängnis. Er schmuggelte Schreiben, in denen zum Einschüchtern von Zeugen aufgerufen wurde, aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Düsseldorf, gab sie aber an das Landeskriminalamt weiter. Der Rocker hatte signalisiert, über weitere Informationen zur Organisation des IS in Deutschland und dem Terroranschlag von Barcelona im Sommer 2017 zu verfügen.

Abu Walaa und vier Mitangeklagte müssen sich wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben. Spekuliert worden war auch, ob Abu Walaa den Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz autorisiert haben könnte. Die Angeklagten haben bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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