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Meuthen ruft AfD zur Ordnung AfD-Chef verteidigt ZDF-Journalistin Hayali

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Meuthen erwartet von Journalisten keine "Gefälligkeitsfragen".

(Foto: picture alliance/dpa)

Nachdem Dunja Hayali aggressive Anfeindungen von Rechten beklagt, erhält sie unerwarteten Beistand. Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen verteidigt ihre Arbeit als Journalistin und empört sich über den "abscheulichen" Umgang mit ihr.

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Nur wenige Journalisten haben sich so früh offensiv mit Pegida und anderen rechten Bewegungen auseinandergesetzt wie die ZDF-Journalistin Dunja Hayali. Über ihre Arbeit ist sie früh zum Feindbild für viele Rechte geworden: eine selbstbewusste Frau mit Migrationshintergrund, die für das öffentlich-rechtliche Fernsehen arbeitet. Hayali steht für vieles, was in rechten Kreisen auf Ablehnung stößt. Das gilt auch für radikale AfD-Sympathisanten.

Das missfällt dem AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen. In einem Facebook-Post springt der AfD-Spitzenkandidat zur Europawahl Hayali mit deutlichen Worten zur Seite. "Sie wird immer wieder zum Objekt zum Teil regelrecht widerwärtiger Hasstiraden. (...) Sie sind zu Teilen abscheulich und auf schlimmste Weise die Menschenwürde verletzend", schreibt Meuthen.

Hayali als "angenehme Frau" erlebt

Meuthen verteidigt Hayalis Arbeit auch vor den eigenen Anhängern, die ihm ihn Zuschriften immer wieder beteuert hätten, wie parteilich Hayali berichte. "Ich hatte die Interviewführung als hart und sehr kritisch in der Sache, aber zugleich korrekt und den gebotenen Respekt wahrend erlebt", schreibt Meuthen über ein Interview mit Hayali. Meuthen belehrt seine Leser: "Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, die solche Interviews führen, Gefälligkeitsfragen zu stellen, und ein solches Interview ist nun einmal kein Kaffeekränzchen."

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Hayali suchte immer wieder die direkte Auseinandersetzung mit AfD und Pegida.

(Foto: picture alliance / Rainer Jensen)

Meuthen beschreibt Hayali als "reflektierte, differenzierte, im persönlichen Umgang ausgesprochen nachdenkliche und ich möchte sagen auch angenehme Frau". Persönliche Beleidigungen, die Hayali im Nachgang der Proteste in Chemnitz erlebt habe, seien ihr spürbar nahe gegangen. Anlass von Meuthens Post ist offenbar ein Interview Hayalis, in dem sie das Ausmaß der Attacken beschrieb:  Es sei vorgekommen, "dass man mir vor die Füße spuckt, mich eine türkische Schlampe nennt und mir wünscht, von einer 'Horde Araber' vergewaltigt zu werden", berichtete Hayali vor rund zwei Wochen der "Südwest Presse". Er wolle ihr darin "ausdrücklich beipflichten", dass sich Hayali nun "dagegen auch öffentlich zur Wehr" setze.

Geteiltes Echo

Meuthen weiß, dass einige dieser Beleidigungen auch von Menschen stammen, die mit seiner Partei sympathisieren. Er wolle den einen oder anderen zumindest nachdenklich stimmen, schreibt Meuthen. Und weiter: "Ich möchte das hier einmal ganz deutlich zum Ausdruck bringen: Ich halte es für komplett unangemessen und inakzeptabel, einem Menschen wie Frau Hayali so offen und weit ins Persönliche hineinreichend feindselig zu begegnen, wie das leider durch einige geschieht." Wer als AfD-Mitglied einen feindseligen Umgang mit der Partei beklage, müsse auch beklagen, wenn andere Menschen so behandelt würden, schreibt Meuthen.

In den Kommentaren unter Meuthens Post stießen die Anmerkungen auf ein geteiltes Echo. Das kann auch damit zu tun haben, dass der Kurs der Parteiführung derzeit umstritten ist. Diese will eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz abwenden und ruft Parteimitglieder zur Mäßigung bei öffentlichen Äußerungen auf. Teile der Partei sehen hierin einen Widerspruch zum eigenen Ideal, sich keinerlei Political Correctness unterwerfen zu wollen.

Quelle: n-tv.de

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