Politik

Bundestagswahl im September AfD-Landeschef tritt in Merkels Wahlkreis an

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Holm will in Merkels Wahlkreis antreten.

(Foto: dpa)

Seit 1990 gewinnt Merkel bei allen Bundestagswahlen das Direktmandat. Jetzt plant AfD-Landesfraktionschef Holm in Vorpommern anzutreten und die Kanzlerin "vom Thron zu stoßen". CDU-Landeschef Caffier sieht das gelassen.

Die AfD will Kanzlerin Angela Merkel in ihrem Bundestagswahlkreis in Vorpommern das Direktmandat abjagen. Als Kandidaten hat der Landesverband seinen Vorsitzenden, Landtagsfraktionschef Leif-Erik Holm, bestimmt. 41 von 43 stimmberechtigten Mitgliedern votierten in Stralsund für den 46-Jährigen.

Holm kündigte an, als Spitzenkandidat auch die AfD-Landesliste zur Bundestagswahl anführen zu wollen. Er warf Merkel Versagen in der Flüchtlingspolitik, der Energie- und der Europapolitik vor. Der Wahlkreis 15 (Vorpommern-Rügen - Vorpommern-Greifswald I) sei enorm wichtig für die Partei. "Wir wollen Angela Merkel vom Thron schubsen. Das ist der Auftrag für die Bundestagswahl."

Dabei setzt Holm auf Unterstützung der Berliner Parteizentrale. Die Bundes-AfD sei sich der Bedeutung des Wahlkreises bewusst. "Wir werden hier nicht kleckern, sondern klotzen." Der Rostocker Politologe Martin Koschkar sieht die Chancen des Vorhabens allerdings skeptisch und wertet die Ankündigung eher als Form der Wählermobilisierung. Zudem wisse der Wähler zwischen Landes- und Bundespolitik zu unterscheiden, erklärt Koschkar.

Allerdings bröckelt der Rückhalt der CDU in ihrer einstigen Hochburg Vorpommern. Drei ehemalige Christdemokraten aus Merkels Wahlkreis sitzen inzwischen als AfD-Abgeordnete im Landtag. Im Dezember gründeten CDU-Mitglieder in Vorpommern als Reaktion auf das desaströse Wahlergebnis den landesweit ersten Konservativen Kreis, um hadernde Wähler und Mitglieder zu binden. Die CDU müsse wieder den konservativen Bereich abdecken, soweit wie es das Grundgesetz zulasse, gab der Sprecher des Kreises, Sascha Ott, vor.

Caffier: Holm ist unglaubwürdig

Der CDU-Landesvorsitzende Lorenz Caffier gibt sich angesichts der Holm-Nominierung gelassen: "Angela Merkel hat immer die politische Auseinandersetzung gesucht und sich ihrem Wählerauftrag gestellt." Holm sei unglaubwürdig und unbeständig. Noch vor wenigen Tagen habe er gesagt, für die Menschen im Land Politik gestalten zu wollen, jetzt ziehe es ihn doch nach Berlin.

Eine aktuelle Umfrage der "Ostsee-Zeitung" sieht die Christdemokraten wieder im Aufwind. Vorpommerns CDU-Basis will Merkel am kommenden Samstag als Direktkandidatin nominieren. Dies ist ihr erster Beliebtheitstest im Wahljahr 2017 in ihrer politischen Heimat. Bei der Aufstellung vor vier Jahren stand die Basis zu 100 Prozent hinter ihr. Merkel gewann bei allen Bundestagswahlen seit 1990 das Direktmandat. Die CDU-Chefin gilt in ihrem Wahlkreis als gut verortet. Bei der letzten Bundestagswahl kam sie auf 56,2 Prozent der Erststimmen.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa

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