Politik

Aktivisten werden zu Passanten AfD blamiert sich mit Statisten-Bürgern

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Einklang am AfD-Stand: "Bei der Europawahl habe ich sie auch schon gewählt".

Der Auftritt könnte peinlicher kaum sein: Weil sich Passanten nicht für die Wahlkampfwerbung des Hamburger AfD-Kandidaten Kruse interessieren, spielt einfach ein Parteikollege einen neugierigen Passanten - vor laufender Kamera.

Dr. Jörn Kruse macht Wahlkampf im Hamburger Stadtteil Poppenbüttel. Doch wirklich interessiert ist niemand. Entnervt gehen die Passanten dem AfD-Spitzenkandidaten für die Hamburger Bürgerschaftswahl aus dem Weg. Es ist ein beschämender Anblick vor den laufenden Kameras des ARD-Magazins "Panorama".

Doch plötzlich sucht ein überaus interessierter junger Mann das Gespräch mit dem Politiker. Nein, so ganz wisse er nicht über die Partei Bescheid, das Programm kenne er zwar ein bisschen, aber, so sagt er: "Bei der Europawahl habe ich sie auch schon gewählt." Dr. Jörn Kruse ist begeistert und lädt den jungen Mann ein, sich im Internet das Parteiprogramm genauer anzusehen. "Ja", das werde er tun, entgegnet der und die beiden Herren wünschen sich einen schönen Tag. Ein Wahlkampf-Gespräch wie aus dem Bilderbuch.

Und noch ein zweiter Herr, im fortgeschrittenen Alter, kommt mit Kruse ins Gespräch. Der AfD-Mann warnt: "Sie wissen ja, im Moment haben wir eine ganz akute islamistische Gefahr." "Ja, sie sprechen mir aus dem Herzen", antwortet der besorgte Bürger. Auch er verlässt begeistert den Wahlkampfstand.

Das Problem an dem Märchen: Der erste "interessierte Bürger" ist in dem Video zuvor an dem AfD-Stand zu sehen, wo er selbst Flyer verteilt. Bei ihm handelt es sich um einen Parteikollegen, der sich später in einen Passanten verwandelt. Jörn Kruse gesteht das Schauspiel sogar ein. Auch die grenzenlose Begeisterung des zweiten Passanten ("Ah, wirklich, das ist ja interessant") scheint vor diesem Hintergrund mehr als fragwürdig.

Quelle: n-tv.de

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