Politik
(Foto: "Scholl2017"/Screenshot)
Freitag, 30. Juni 2017

"Tod dem Diktator": Aktivisten verteilen Flugblätter im Gezi-Park

Von Diana Sierpinski

"Verteidigt die Demokratie. Bekämpft den Rassismus. Stürzt die Diktatur!" So steht es auf hunderten Flugblättern, die im Istanbuler Gezi-Park die Runde machen. Dahinter stecken deutsche Aktivisten, die schon öfter Aufsehen erregt haben.

"An alle Türken - Erdogan und die AKP haben aus der Türkei eine offen totalitäre Diktatur gemacht, die auf dem politischen Islam, gepaart mit türkischem Nationalismus, beruht. (...) Seid keine willenlose Herde von Mitläufern, die zulässt, dass Nachbarn eingesperrt und getötet werden. Verteidigt die Demokratie. Bekämpft den Rassismus. Stürzt die Diktatur!"

Sätze wie diese beinhaltet ein Flugblatt, das am Freitag im Istanbuler Gezi-Park verteilt wurde. Die Forderungen sind klar und unmissverständlich: "Wir fordern den Rücktritt des Diktators Erdogan und die Ausrufung von freien Wahlen. Wir fordern die Freilassung aller zu Unrecht Inhaftierten. (...) Wir fordern Humanismus und Demokratie."

Forderungen, wie man sie auf jeder Anti-Erdogan-Demonstration hören könnte. Doch die letzten beiden Sätze auf dem Flugblatt lauten: "Tod dem Diktator! Dieses Flugblatt wurde finanziert aus den Mitteln des Freistaats Bayern und der deutschen Bundesregierung."

Deutsche Aktivisten stecken dahinter

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Wie taz.gazete berichtet, handelt es sich nicht etwa um eine Fake-Aktion regierungsnaher Kreise, die sich der Rhetorik bedienen, "ausländische Kräfte" versuchten Erdogan zu stürzen. Das Flugblatt, das in einer Auflage von 1000 Stück im symbolträchtigen Gezi-Park verteilt wurde, entstand demnach im Rahmen der Aktion "Scholl2017". Dort wurden in den vergangenen vier Tagen im Namen des frei erfundenen bayerischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Demokratie die Geschwister Scholl unserer Zeit gesucht wurden.

Durchgeführt wurde die Aktion vom Zentrum für für Politische Schönheit (ZPS), dem Kollektiv, das seit einigen Jahren mit seiner provokativen Mischung aus Aktionskunst und Menschenrechtsaktivismus Aufsehen erregt. Im Juni 2015 empörten die Aktivisten mit ihrer Aktion "Die Toten kommen", in dem sie die europäische Flüchtlingspolitik kritisierten.

Zu ihrer neuen Aktion heißt es in einem Statement der Aktivisten: "Der Widerstand der Geschwister Scholl besitzt nicht nur eine Relevanz für unsere Geschichte. Ihr Vermächtnis ist für uns heute von großer Bedeutung: Indem wir die Diktatur beschweigen, in dem wir der Türkei Wirtschaftsdialoge anbieten, während deutsche Journalisten mit absurden Anklagen in Haft sitzen, beschämen wir das, was wir in der Weißen Rose so hochhalten."

Hotelzimmer gestürmt

Geschrieben wurde das Flugblatt von mehreren jungen Deutschtürken im Alter von 20 bis 24 Jahren. Ihr Flugblatt sei bei "Scholl2017" auf den ersten Platz gewählt worden, erklärte Philipp Ruch, der Leiter des ZPS, gegenüber taz.gazete. Der einzige Inhalt, den das Zentrum hinzugefügt habe, sei der Satz mit den Finanzierungsmitteln.

Kurz nach der Aktion wurde laut Ruch das Hotelzimmer der Aktivisten vor Ort von Hotelangestellten gestürmt. "Aber unsere Leute hatten längst ihre Sachen gepackt und waren weg", so Ruch weiter. Nun sollen Aktionen in "weiteren Diktaturen" erfolgen.

Quelle: n-tv.de