Politik

Forscher: IS bleibt gefährlich Al-Bagdadi auf hoher See bestattet

126006853.jpg

Der Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi in einem undatierten Video.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat sprengte sich bei einem Zugriff von US-Kräften in die Luft. Nun werden seine Überreste beigesetzt. Die Bestattung erinnert an die von Al-Kaida-Chef bin Laden. Mit dem Tod von al-Bagdadi endet aber weder die Gefahr durch den IS noch dessen Bekämpfung.

Die sterblichen Überreste des Anführers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, sind auf hoher See bestattet worden. Dies verlautete aus dem Pentagon. Genauere Angaben zu Ort und Verlauf der Bestattung al-Bagdadis wurden aber nicht gemacht. Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Mark Milley, hatte zuvor bei einer Pressekonferenz gesagt, die "Beseitigung" von al-Bagdadis Überresten sei "angemessen" gehandhabt worden und abgeschlossen.

Der IS-Chef hatte sich in der Nacht zum Sonntag bei einem US-Militärangriff auf sein Versteck in Nordwestsyrien durch Zünden einer Sprengstoffweste selber getötet. Seine Bestattung erinnert an jene von Osama bin Laden: Auch die Überreste des 2011 bei einem US-Militäreinsatz in Pakistan getöteten Chefs des Al-Kaida-Terrornetzwerks waren im Meer beigesetzt worden.

Nach dem Tod des IS-Chefs wollen die USA ihren Kampf gegen die Terrormiliz trotz reduzierter Truppenstärke in Syrien mit unverminderter Härte fortsetzen. "Unsere Mission in Syrien heute ist dieselbe wie zu Beginn unserer Operationen 2014: Die dauerhafte Niederlage des IS zu ermöglichen", sagte Verteidigungsminister Mark Esper. Die Verlegung amerikanischer Truppen innerhalb Syriens solle das ermöglichen, während gleichzeitig ein Teil der Soldaten nach Hause geschickt werde, sagte Esper. "Diejenigen, die bleiben, werden weiterhin Anti-Terror-Operationen ausführen, während sie in engem Kontakt mit den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) stehen, die an unserer Seite gekämpft haben."

Wissenschaftler sehen IS weiter als Gefahr

Auch internationale Politologen und Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass der IS eine Gefahr bleibt. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, der Kampf gegen den IS sei noch nicht beendet. Für den Nahost-Experten Jean-Pierre Filiu von der Universität Sciences Po in Paris ist der Tod Bagdadis eher ein "symbolischer Verlust" für den IS. Es sei nicht sicher, dass die operative Führung der Miliz durch den Tod al-Bagdadis lange gelähmt werde. Dadurch könnte sich sein Tod von dem des Al-Kaida-Gründers bin Laden unterscheiden, der von US-Sondereinsatzkräften in seinem Versteck in Pakistan aufgespürt und getötet worden war.

Der renommierte irakische Dschihadisten-Forscher Hischam al-Haschemi glaubt, dass der Tod al-Bagdadis zu "einem Moment des Schweigens und einer Pause bei den Terroranschlägen führen wird". Der Wissenschaftler aus Bagdad vergleicht die Lage mit der nach der Ermordung des früheren Al-Kaida-Chefs im Irak, Abu Omar al-Bagdadi, im Jahr 2010. Damals habe Al-Kaida vier Monate gebraucht, um im Irak wieder aktiv zu werden.

Auch der nun getötete IS-Führer al-Bagdadi ging aus den Reihen des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Forscher Al-Haschemi glaubt, dass er als "Kalif" durch einen Tunesier oder einen IS-Anhänger von der arabischen Halbinsel ersetzt werden könnte.

Nachfolger wird wohl nicht offiziell verkündet

Die Leiterin des auf die Überwachung extremistischer Websites spezialisierten US-Unternehmens SITE, Rita Katz, nannte "den Tod al-Bagdadis, wenn er bestätigt wird, einen schrecklichen Schlag gegen den IS und sein Netzwerk", wie sie bei Twitter schrieb. Die Geschichte lehre aber, dass die Dschihadistenmiliz sehr "widerstandsfähig" sei. Sie werde "sich den Tod al-Bagdadis zunutze machen, um neue Anhänger zu rekrutieren und zu Angriffen aufzurufen". Denn das oberste Ziel des Dschihads habe der IS-Führer erreicht: "als Märtyrer zu sterben".

Bisher habe der IS auf den Tod seines Anführers offiziell nicht reagiert, betonte Katz. IS-nahe Seiten zögen sein Ableben sogar in Zweifel. Ein möglicher Nachfolger für al-Bagdadi werde deshalb vermutlich auch nicht offiziell bekannt gegeben.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa