Politik

Nach jahrelangem Hausarrest in Rom Altnazi Erich Priebke gestorben

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Priebke im Mai 1996 bei seinem Prozess in Rom.

(Foto: AP)

Erich Priebke befehligt im März 1944 die Ermordung von 335 Männern und Jungen in der Nähe von Rom. Nach dem Krieg lebt er unbehelligt in Argentinien. Erst 1998 verurteilt ihn ein italienisches Gericht zu lebenslanger Haft. Jetzt ist Priebke tot.  

Kurz nach seinem 100. Geburtstag im Juli ist einer der letzten noch lebenden Nazi-Verbrecher gestorben: Erich Priebke. Der einstige SS-Offizier lebte bis zu seinem Tod in Rom, wo er seit 16 Jahren unter Hausarrest stand. 1997 hatte ihn ein Gericht in der italienischen Hauptstadt zu lebenslanger Haft verurteilt, die er wegen seines fortgeschrittenen Alters in der Wohnung eines befreundeten Anwalts absitzen durfte. Die Strafe kam spät. Bis 1995 hatte der einstige SS-Offizier jahrzehntelang unbehelligt in Argentinien gelebt.

Der Schrecken, der mit dem Namen Priebke verbunden ist, geht auf ein Massaker am 24. März 1944 zurück. Es ereignete sich ganz in der Nähe des Ortes, an dem nun auch Priebke starb. Italienische Partisanen zünden am 23. März des vorletzten Kriegsjahres eine Bombe, 32 deutsche Soldaten verlieren ihr Leben. Die Aktivisten entkommen unerkannt – doch für die SS ist das kein Grund, auf Rache zu verzichten. Und die soll ungleich blutiger ausfallen als der Anschlag. Genauergesagt: zehnmal so blutig.

335 Männer und Jungen lässt die SS in den Ardeatinischen Höhlen nahe Rom versammeln. Einige von ihnen müssen vortreten, sich in einer Reihe aufstellen. Kurz bevor der Befehl kommt, müssen sie niederknien. Dann sind die nächsten dran. Die letzten werden am folgenden Tag ermordet. "Vergeltungsaktion" nennt die SS das. Bis heute befinden sich die Gräber der Opfer in den Höhlen.

Weil die Höhlen so eng sind, fanden Erschießungen auf den Leichen der ersten Opfer statt. Weil viele der SS-Soldaten betrunken waren und nicht richtig trafen, starben manche der Opfer qualvoll langsam. Priebke soll als Hauptsturmführer die Namensliste der Opfer geführt haben. Er gestand außerdem, zwei Gefangene selbst erschossen zu haben. Ein Wort der Entschuldigung fand er dafür nie.

Über die "Rattenlinien" nach Argentinien

Die Szene wird in einer Zeitschrift der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem beschrieben. Die Männer, die damals das Kommando führt, heißen Herbert Kappler und Erich Priebke. Kappler ist damals so etwas wie Hitlers Statthalter in Rom, Priebke ist SS-Führer. Die meisten Opfer sind inhaftierte Antifaschisten und deren Söhne. Aber unter ihnen sind auch Juden, die willkürlich ausgewählt werden.

Nach dem Krieg floh Priebke über die sogenannten "Rattenlinien" nach Argentinien, dessen Diktator Juan Domingo Perón bereitwillig etlichen Nazis eine neue Heimat bot. Bis 1994 lebte der einstige SS-Mann Priebke unbescholten unter seinem echten Namen in einem Badeort in Argentinien. Dann entdeckte ihn ein nach Nazis recherchierender US-Journalist und Priebke wurde nach Italien ausgeliefert.

Dort wurde er wegen des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen vor Gericht gestellt. 1998 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch nur ein Jahr später kam er wegen seines schlechten Gesundheitszustands und seines Alters wieder aus dem Militärgefängnis frei und in Hausarrest. Auch nach Priebkes Verurteilung gab es noch mehrere Prozesse gegen Nazi-Täter.

Während seines Hausarrest sorgte Priebke immer wieder für Aufsehen. Im August 2005 machte er Urlaub am Lago Maggiore – dort wohnte er in einem Haus, in dem während des Krieges ein Leiter der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) der Nazis gelebt hatte. Zwei Jahre später durfte er die Wohnung verlassen, weil er angeblich als Gehilfe im Büro seines Anwalts arbeiten wollte.

Damals war er bereits 93 Jahre alt. Spätestens seit seinem Haftbeginn wurde Priebke für Neonazis zu einer besonders wichtigen Figur. Sie forderten seine Freilassung und stellten seine Verurteilung als unberechtigt dar. An Priebkes 100. Geburtstag am 30. Juli dieses Jahres, wurden sieben Neonazis in Rom festgenommen, als sie den Geburtstag des in Hennigsdorf in Brandenburg geborenen Altnazis feiern wollten.

Quelle: ntv.de, vpe

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