Politik

Höchstens 598 Abgeordnete Ampel plant Verkleinerung des Bundestags

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Mit 736 Abgeordneten ist der Bundestag derzeit größer als je zuvor.

(Foto: picture alliance / photothek)

Seit Jahren streiten die Parteien über den aufgeblähten Bundestag. Die Ampel-Koalition plant nun eine Wahlrechtsreform, bei der alle Überhang- und Ausgleichsmandate wegfallen. Für Kandidaten, die mit der Erststimme gewählt werden, wäre der Einzug in den Bundestag dann nicht mehr garantiert.

Die Ampel-Koalition schlägt eine Wahlrechtsreform vor, die die Größe des Bundestages auf unter 600 Abgeordnete deckeln würde. Geplant ist der Wegfall aller Überhangmandate, heißt es in einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter Berufung auf eine Vorlage von SPD, Grünen und FDP. Dies hätte zur Folge, dass nicht mehr jeder Kandidat, der in seinem Wahlkreis nach Erststimmen siegt, sicher in den Bundestag einziehen kann.

Mit den Überhangmandaten würden nach Vorstellung der Koalition auch die Ausgleichsmandate entfallen. Es soll zwar beim sogenannten personalisierten Verhältniswahlrecht mit Erst- und Zweitstimme bleiben, über die Größe des Bundestages soll jedoch nur noch die Zweitstimme entscheiden. Damit soll der Bundestag auf die gesetzlich vorgesehene Größe von 598 Abgeordneten begrenzt werden. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate ist er bei der Wahl im vorigen September auf 736 Sitze gewachsen.

Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Land mehr Direktmandate gewinnt, als ihr durch das Listenergebnis zustehen. Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2012 werden die Überhangmandate für die anderen Parteien proportional zu ihrem Zweitstimmenanteil ausgeglichen, was zu der enormen Vergrößerung des Parlaments geführt hatte.

Ersatzstimme zusätzlich zur Erststimme

Der Ampel-Vorschlag sieht vor, dass eine Partei in einem Bundesland nur so viele Wahlkreismandate zugeteilt bekommt, wie ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen. Sind es mehr, so bekommt sie diejenigen nicht, in denen sie im Vergleich zu ihren anderen Wahlkreisen das schwächste Wahlergebnis hat. Diese Wahlkreise werden dann unter Einbeziehung sogenannter Ersatzstimmen einer anderen Partei zugeteilt.

Jeder Wähler soll nach Vorstellung der Ampel-Parteien zusätzlich zur Erststimme eine Ersatzstimme bekommen. Mit dieser kann der Kandidat gewählt werden, den ein Wähler am zweitliebsten als Wahlkreisvertreter sähe. Die Ersatzstimmen werden zu den Erstpräferenzen der anderen Wähler hinzugezählt.

Die Parteien streiten schon seit Jahren über eine grundlegende Wahlrechtsreform, um ein weiteres Aufblähen des Parlaments zu vermeiden. Größte Profiteure der Überhangmandate sind traditionell Unionsabgeordnete, die erstmals seit 16 Jahren nicht mehr an der Regierung beteiligt sind. Die Ampel kann ihren Vorschlag im Bundestag mit einfacher Mehrheit durchsetzen.

Quelle: ntv.de, mbu/AFP

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