Politik

"Hervorragend" gegen Pandemie Amtsärzte fordern Abwasseranalyse in allen Kommunen

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Eine leitende Ingenieurin des Mainzer Wirtschaftsbetriebs präsentierte ein Pilotprojekt im dortigen Klärwerk zum Abwassermonitoring.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang nehmen den deutschen Amtsärzten zufolge erst 20 deutsche Städte am EU-Abwassermonitoring teil. Die Mediziner fordern eine massive Ausweitung. Am Beispiel der Stadt Köln erklären sie, was das bringen kann. Auch Gesundheitsminister Lauterbach hat das Thema auf seinem Zettel.

Um das Pandemiegeschehen besser kontrollieren zu können, fordern die deutschen Amtsärzte eine Ausweitung der Abwasseranalysen auf alle Kommunen: "Die Abwasseranalyse ist ein hervorragendes Instrument für die Pandemiekontrolle", sagte Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bislang nähmen erst 20 deutsche Städte am EU-Abwassermonitoring teil. "Optimal wäre, wenn alle Kommunen mitmachen würden", so Nießen.

"Je mehr Städte daran teilnehmen, desto präziser wird unser Bild vom Infektionsgeschehen." Die Methode koste wenig, der Aufwand sei gering und man bekomme ein Echtzeit-Lagebild von der pandemischen Situation. In Köln sei auf diese Weise festgestellt worden, dass bei den aktuellen Corona-Meldezahlen nur rund die Hälfte Infektionen erfasst würden. "Die offizielle Inzidenz liegt bei aktuell bei rund 800, durch die Abwasseranalyse wissen wir aber, dass sie tatsächlich bei über 1500 liegt."

Mit der Abwasseranalyse bekomme man eine genauere Übersicht über das, "was in der Bevölkerung tatsächlich los ist". Nießen ist Leiter des Kölner Gesundheitsamtes und Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung. Im März 2021 hatte die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten aufgefordert, das Abwasser-Monitoring systematisch zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu nutzen. Weil Infizierte das Virus über den Stuhl ausscheiden, lässt sich anhand von Abwasserproben aus Klärwerken schnell zeigen, wo und wie stark sich gerade welche Variante ausbreitet.

Die Abwasseranalyse sei nicht auf das Corona-Virus beschränkt, so Nießen: "In Zukunft ließe sich die Analyse auch auf weitere Erreger anwenden - etwa auf Polio- oder Masernviren." Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will künftig auf das Abwassermonitoring als eine Maßnahme im Kampf gegen die Pandemie setzen.

Quelle: ntv.de, mpe

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