Politik

Mann ermordete vier Polizisten Angreifer von Paris hatte Salafisten-Kontakte

4238004a5b2b00dada07ce2d13406b9e.jpg

Nach der Messerattacke am Donnerstag sichern Polizisten den Tatort.

(Foto: imago images/IP3press)

Am Donnerstag ersticht ein langjähriger Mitarbeiter des Pariser Polizeipräsidiums vier Kollegen. Dann wird er erschossen. Nun teilen die Ermittler mit, dass der 45-Jährige Kontakte zu Salafisten hatte und einem radikalen Islam anhing, seit er zu der Religion konvertierte.

Der Tatverdächtige im Fall der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier hat den Ermittlern zufolge mit mutmaßlichen Salafisten Kontakt gehabt. Der 45-Jährige sei vor rund zehn Jahren zum Islam konvertiert und Anhänger einer radikalen Interpretation der Religion gewesen, sagte Chefermittler Jean-François Ricard in Paris.

Erste Ermittlungen ergaben laut Ricard, dass der Angreifer bestimmte Taten befürwortet habe, "die im Namen dieser Religion begangen wurden". Unter anderem habe er den von Islamisten verübten Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Jahr 2015 gutgeheißen, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Auch habe er den Wunsch geäußert, Kontakte zu Frauen einzuschränken, und vor einigen Monaten seine Bekleidungsgewohnheiten geändert.

Der Mann habe vor der Tat außerdem per Mobiltelefon ausschließlich religiöse Nachrichten mit seiner Ehefrau ausgetauscht, insgesamt 33 SMS. Sie endeten demnach mit dem Ausruf "Allah akbar" ("Gott ist groß") und dem Auftrag: "Folge unserem geliebten Propheten Mohammed und beachte den Koran!" Die Frau sei den Ermittlern nicht als terrorverdächtig bekannt, sie sitzt in Untersuchungshaft.

Unmittelbar vor der Tat habe der Mann zwei Messer gekauft, eines aus Metall und eines aus Keramik, hieß es weiter. Seine Bluttat habe nur wenige Minuten gedauert, bis er von einem Polizisten erschossen worden sei. Der Angreifer war nach Angaben des Chefermittlers mit extremer Gewalt vorgegangen - das habe auch die Obduktion der Opfer gezeigt. Die ersten beiden Opfer habe er beim Mittagessen an ihrem Arbeitsplatz attackiert, dann sei er weiter ins Erdgeschoss des Pariser Polizeihauptquartiers gegangen. Das Strafregister des aus dem französischen Überseegebiet Martinique stammenden Mannes sei sauber. Allerdings habe er in einem Fall von häuslicher Gewalt einen Verweis erhalten. "Die Ermittlungen werden nun fortgesetzt, um die Gründe für diese Tat und die Persönlichkeit des Täters genauer zu bestimmen", kündigte der Chefermittler an.

Scharfe Kritik am Innenminister

Die Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft hatten erst am Freitag die Ermittlungen übernommen. Der 45 Jahre alte Täter, der seit 2003 in der Verwaltung des Polizeihauptquartiers im Herzen von Paris arbeitete, tötete am Donnerstag vier seiner Kollegen mit einem Messer. Bei den Opfern handelt es um drei Männer und eine Frau. Die Messerattacke in der Polizeipräfektur hat in Frankreich Entsetzen und Trauer ausgelöst.

Mehrere Abgeordnete der konservativen Partei Les Républicains (LR) forderten unter Hinweis auf den Anschlag den Rücktritt von Innenminister Christophe Castaner. Dieser hatte in Pressestatements nach der Tat keinen Hinweis darauf gegeben, dass der Angreifer sich vor der Tat möglicherweise radikalisiert haben könnte. Oppositionspolitiker forderten zudem einen Untersuchungsausschuss. Ihrer Ansicht nach hielt der Innenminister Informationen über den mutmaßlichen Täter zurück, als er erklärte, der Mann sei zuvor nicht negativ aufgefallen.

Der frühere konservative Präsident Nicolas Sarkozy stellte die Frage, "wie so etwas möglich ist" und beklagte die "unerhörte Brutalität dieser Morde". Die Vorsitzende der rechtspopulistischen Nationalen Sammlungsbewegung, Marine Le Pen, verlangte eine "vollständige Überprüfung der islamistischen Radikalisierung" unter Staatsbediensteten.

Für Dienstag sei eine Gedenkfeier in der Polizeipräfektur mit Präsident Emmanuel Macron geplant, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Élyséepalast. Nähere Details zu der Feier sollten demnach am Montag bekannt gegeben werden.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP