Politik
Hermenau hält den Kurs der Grünen für falsch.
Hermenau hält den Kurs der Grünen für falsch.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 28. Januar 2015

25 Jahre vergeblich gekämpft: Antje Hermenau wirft bei den Grünen hin

Antje Hermenau war 1990 eine der Mitgründer der Ost-Grünen. Sie war haushaltspolitische Sprecherin im Bundestag und Fraktionschefin in Sachsen. Seit jeher kämpft sie für schwarz-grüne Bündnisse. Jetzt kehrt sie den Grünen entnervt den Rücken.

Die langjährige Spitzen-Grüne Antje Hermenau tritt aus ihrer Partei aus. "Nach einem Vierteljahrhundert verlasse ich die Grünen", kündigte Hermenau in der "Zeit" an. "Mein Versuch, mich an die Grünen anzupassen, ist gescheitert." Hermenau, 1990 eine der Mitgründer der Ost-Grünen, war von 2004 bis 2014 Fraktionschefin ihrer Partei im Sächsischen Landtag.

Die 50-Jährige begründete ihren Schritt unter anderem mit dem Scheitern möglicher schwarz-grüner Bündnisse: "Ich habe ein Vierteljahrhundert meines Lebens dafür gestritten, entspannt mit der CDU umzugehen", sagte sie. "Ein schwarz-grünes Bündnis ist für die Partei existenziell. Man muss das wirklich wollen, aus freien Stücken, und darf nicht wahltaktisch herummanövrieren." Aber für diese politische Konstellation gebe es bei den Grünen einfach keine Mehrheiten.

Grüne wollen keine Volkspartei sein

Als Demokratin akzeptiere sie das, so Hermenau. Sie halte den Kurs der Partei aber für falsch: "In den letzten Jahren haben sich viele Leute für uns geöffnet, die ein Großteil der Partei offenbar gar nicht haben will. Wenn die Grünen keine Volkspartei sein wollen, werden sie auch keine werden. Viele praktische Alltagsfragen erscheinen ihnen zu banal", so die 50-jährige Sächsin. "Von der CDU könnten die Grünen mehr Bodenständigkeit lernen." Einen Eintritt in die CDU erwäge Hermenau nach eigenen Worten nicht: Sie fühle sich "politisch heimatlos".

Als exemplarisch kritisierte Hermenau den Umgang der Grünen mit den Staatsfinanzen: "Die Grünen müssen sich fragen, ob sie Robin Hood sind, der sich stets neue Umverteilungskniffe ausdenkt, oder ob sie die Zukunft wollen." Mit SPD und Linken würden die Grünen aus dem Umverteilungsmodus nicht herauskommen.

Pegida nicht verurteilen

Im Gegensatz zu ihrer früheren Partei plädierte Hermenau dafür, Sympathisanten von Pegida nicht vorschnell zu verurteilen: "Das sind keine dumpfen Nazis von einem anderen Stern, sondern meine Leute - eben auch Sachsen", sagte sie in dem "Zeit"-Gespräch. "Sie wollen Flüchtlingen helfen, aber sich nicht ausnutzen lassen. Da ist viel Dumpfes dabei, das will ich nicht beschönigen. Aber es gibt auch eine echte Ratlosigkeit, die eine angemessene Antwort verdient."

So manche Frage, die Pegida aufwerfe, sei berechtigt, sagte Hermenau: "Die Euro-Rettung ist eine Farce, Sparguthaben und Versicherungen werden enteignet, und der Görlitzer Park in Berlin ist ein abschreckendes Beispiel für eine misslungene Integrationspolitik. Das überzeugt die Leute nicht." Die Organisatoren von Pegida seien austauschbar, "aber die Stimmung bleibt".

Antje Hermenau war von 1994 bis 2004 Abgeordnete und auch haushaltspolitische Sprecherin ihrer Partei im Bundestag. Nach der Landtagswahl in Sachsen 2014 Jahr gab sie alle politischen Ämter auf. Ein Regierungsbündnis mit der CDU, für das Hermenau vehement geworben hatte, lehnte ihre grüne Landespartei damals ab.

Quelle: n-tv.de