Politik

Vor Übergabe an Aserbaidschan Armenier brennen ihre Häuser nieder

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Die Bewohner wollen ihre Häuser nicht den Aserbaidschanern überlassen - deshalb setzen sie sie in Brand.

(Foto: AP)

Gemäß dem Waffenstillstandsabkommen tritt Armenien weite Landstriche an Aserbaidschan ab. Am Tag vor der Übergabe packen die Bewohner ihre Koffer und zünden ihre Wohnungen an. Derweil wird der Geheimdienstchef wegen Verdachts auf einen Putsch festgenommen.

Nach dem Waffenstillstand zwischen Armenien und Aserbaidschan haben sich armenische Bewohner am Samstag auf die Rückgabe umkämpfter Gebiete an Aserbaidschan vorbereitet. Im Dorf Scharektar in der Region Kalbadschar zündeten Bewohner ihre eigenen Häuser an, um zu verhindern, dass sie dem "Feind" in die Hände fallen. Am Samstag wurde zudem der frühere Chef des armenischen Geheimdienstes festgenommen. Er soll einen Putsch gegen Regierungschef Nikol Paschinjan geplant haben.

In den Dörfern und der Regionalhauptstadt Kalbadschar packten Bewohner ihre Koffer für die Flucht. Gläubige besuchten ein letztes Mal ein berühmtes Berg-Kloster in der Region. Der Bezirk sollte gemäß dem Waffenstillstandsabkommen am Sonntag an Aserbaidschan übergeben werden.

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Ein letztes Mal besuchen Gläubige das orthodoxe Dadiwank-Kloster.

(Foto: AP)

"Heute ist der letzte Tag, morgen werden die aserbaidschanischen Soldaten da sein", sagte ein Soldat im Dorf Scharektar. Ein Hausbesitzer, der mit brennenden Holzscheiten den Fußboden seines Wohnzimmers in Brand setzte, sagte, er werde sein Haus nicht den Aserbaidschanern überlassen. "Alle werden heute ihr Haus abbrennen. Uns wurde eine Frist bis Mitternacht gesetzt, um zu gehen." Schon am Freitag hatten in der Umgebung Dutzende Häuser in Flammen gestanden.

Abschied mit Tränen

Gläubige besuchten ein letztes Mal den Klosterkomplex von Dadiwank in einem Gebirgstal in Kalbadschar, eine der wichtigsten Stätten der Armenisch-Apostolischen Kirche. "Es ist sehr hart, sehr schmerzhaft. Wir sind gekommen, um Abschied zu nehmen", sagte ein 40-jähriger Besucher mit Tränen in den Augen.

"Ich kann nicht glauben, dass dies das letzte Mal ist, dass ich hier sein werde", sagte der 28-jährige Mjasnik Simonjan aus Wardenis in Nord-Armenien. "Dies ist das Land unserer Großväter. Diese Steine sind 800 Jahre alt", sagte er, während er auf zwei kunstvoll verzierte armenische Kreuze deutete. Der Priester Vater Howhannes sprach bitter über die bevorstehende Übergabe des Klosters an das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan - dieses habe "nicht die gleichen Werte wie wir". "Das Kloster gehört uns. Ich kann nicht gehen", sagte er.

Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich Anfang der Woche unter russischer Vermittlung nach sechswöchigen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in Berg-Karabach geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben - für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste. Bis Sonntag muss es die Kontrolle über den Bezirk Kalbadschar abgeben. Folgen sollen dann noch die Bezirke Aghdam bis zum 20. November und Laschin bis zum 1. Dezember.

Armenier wütend auf Regierungschef

In Armenien wächst die Wut über die Entscheidung von Regierungschef Nikol Paschinjan, weite Landstriche an Aserbaidschan abzutreten. Die armenischen Behörden vereitelten nach eigenen Angaben einen Putschversuch gegen den Ministerpräsidenten.

Der ehemalige Chef des armenischen Geheimdienstes, Artur Vanetsjan, wurde wegen des Verdachts der Verschwörung zur Ermordung Paschinjans und zur Machtübernahme festgenommen. Vanetsjans Anwälte bezeichneten die Festnahme als "schändliche Verfolgung von Gegnern".

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er-Jahren ein Krieg mit 30.000 Todesopfern. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Kämpfe waren Ende September wieder voll entbrannt.

Bei den Kämpfen wurden mehr als 2300 armenische Soldaten getötet, wie das armenische Gesundheitsministerium meldete. Aserbaidschan äußerte sich bisher nicht zur Zahl der auf seiner Seite getöteten Soldaten. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor wenigen Tagen von insgesamt mehr als 4000 Toten gesprochen.

Quelle: ntv.de, chf/AFP