Politik

Streit um Seegrenzen vor Zypern Athen sucht Verbündete gegen Erdogan

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Auch in der Nato ein Garant für Ärger: Der türkische Präsident Erdogan beim Nato-Gipfel Anfang Dezember in London.

(Foto: REUTERS)

Weil vor Zypern Erdgas vermutet wird, will sich der türkische Präsident Erdogan die Zugriffsrechte sichern. Dafür definiert er gemeinsam mit Libyen die Seegrenzen im Mittelmeer neu. Griechenland protestiert und ruft die Vereinten Nationen an. Auch die Europäische Union befasst sich mit dem Vorgang.

Der Streit zwischen Griechenland, der Türkei und Libyen um Erdgasvorkommen im Mittelmeer weitet sich aus. Griechenland hat die Vereinten Nationen (UN) schriftlich darüber informiert, dass ein Abkommen zwischen der Türkei und Libyen zur Aufteilung ihrer Einfluss- und Interessenszonen im Mittelmeer nach Athener Auffassung ungültig ist. Das sagte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas in Athen. Ein Brief sei an den UN-Sicherheitsrat und ein weiterer an UN-Generalsekretär António Guterres geschickt worden.

Griechenlands Regierungschef Kyriakos Mitsotakis will das Thema beim bevorstehenden EU-Gipfel Ende der Woche auf die Tagesordnung setzen und die Solidarität der anderen EU-Partner fordern. Und die EU will Griechenlands Wünschen offenbar nachkommen. Demnach soll vom Gipfel an diesem Donnerstag das klare Signal ausgehen, dass die zwischen der Türkei und Libyen geschlossene Vereinbarung aus EU-Sicht ungültig ist. "Das Memorandum of Understanding verletzt die Hoheitsrechte von Drittstaaten, steht nicht mit dem Seerecht im Einklang und kann deswegen keinerlei Rechtsfolgen für Drittstaaten haben", heißt es im jüngsten Entwurf für die Abschlusserklärung.

Das Abkommen war am 27. November bei einem Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und des libyschen Ministerpräsidenten Fajes Sarradsch in Istanbul unterzeichnet worden. Es steckt die Grenzen der türkischen und der libyschen ausschließlichen Wirtschaftszone im östlichen Mittelmeer neu ab. Griechenland und anderen Anrainerstaaten wie Zypern und Ägypten waren nicht gefragt worden. Sie sehen die Seegrenzen-Vereinbarung als Verletzung ihrer eigenen Rechte.

Im Zentrum des Streits steht die Ausbeutung der Erdgasvorkommen vor Zypern, auf die Ankara seit langem Anspruch erhebt. Das türkische Parlament stimmte dem Abkommen bereits vergangenen Donnerstag zu. "Mit diesem Abkommen haben wir das Territorium, über das wir Autorität ausüben, größtmöglich ausgedehnt", sagte Erdogan am Montag im Sender TRT. In Zukunft könne die Türkei gemeinsam mit Libyen vor der zyprischen Küste nach Gas suchen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP