Politik

Hoffnung auf Friedensgespräche Attacke stört Feuerpause in Afghanistan

af076a270d9de2d420a46d3a9ef68ca1.jpg

Ob er für Frieden betet? Dieser Mann besuchte zum Opferfest Eid al-Adha eine Moschee in Kabul.

(Foto: REUTERS)

Es ist erst die dritte offizielle Feuerpause seit 2001, die Afghanistan gerade erlebt. Nun hält sie schon fast drei Tage. Die Freilassung weiterer Hunderter Taliban-Kämpfer nährt die Hoffnung auf Friedensgespräche. Doch dann gibt es eine Meldung über einen Angriff auf ein Gefängnis.

Die dreitägige Feuerpause in Afghanistan zwischen der Regierung und den radikalislamischen Taliban scheint auch an diesem Sonntag zu halten - allerdings meldeten die Behörden am Nachmittag einen Angriff unbekannter Kämpfer auf ein Gefängnis im Osten des Landes. Die Angreifer zündeten vor dem Gefängnis in der Nähe von Dschalalabad, der Provinzhauptstadt von Nangarhar, eine Autobombe, ehe sie in das Gebäude eindrangen. Zeitgleich wurden nach Angaben der örtlichen Behörden eine Reihe von anderen Gebäuden unter Beschuss genommen, es entwickelte sich ein heftiges Gefecht mit Sicherheitskräften. Nach ersten Berichten gab es viele Opfer, vor allem unter der Zivilbevölkerung. Die Zahlenangaben schwankten zwischen einem und sieben Todesopfern, die Zahl der Verletzten wurde zunächst mit bis zu 25 angegeben. Die Taliban wiesen jede Verantwortung von sich. Die Nachrichtenagentur Amak, das Sprachrohr der IS-Miliz, berichtete, IS-Kämpfer hätten den Anschlag ausgeführt. Einzelheiten wurden nicht genannt. Eine unabhängige Bestätigung war zunächst nicht zu erhalten. Die IS-Miliz erklärt nach solchen Attentaten häufig, sie habe sie ausgeführt.

Der Angriff trübt das positive Bild, dass sich an diesem Wochenende bislang abgezeichnet hatte. Das Schweigen der Waffen war von beiden Seiten anlässlich des islamischen Opferfestes Eid al-Adha angekündigt worden. Es ist erst die dritte offizielle Feuerpause in Afghanistan in 19 Jahren Krieg. "Dieses Fest fühlt sich anders an. Die Parks sind voller Menschen. Man vergisst fast, dass seit 40 Jahren Krieg in diesem Land tobt", sagte Schahpoor Schadab aus der Stadt Dschalalabad. Die Regierung und die Taliban versuchen seit Monaten Friedensgespräche zu beginnen, um den seit vielen Jahren andauernden Krieg in Afghanistan zu beenden.

In der Provinz Sabul trugen einige Menschen Gedichte vor, mit dem Wunsch, die Waffenruhe möge dauerhaft bleiben. "Das ist eine großartige Chance, die Waffenruhe heute zu verlängern und direkt mit den innerafghanischen Gesprächen zu beginnen", sagte Sardar Wali mit Blick auf mögliche Friedensgespräche. Sowohl Präsident Aschraf Ghani als auch die Taliban hatten im Vorfeld signalisiert, dass womöglich sofort nach dem Opferfest Friedensgespräche beginnen könnten, das noch bis einschließlich Montag dauert.

Gefangene Kämpfer freigelassen

Wie der Nationale Sicherheitsrat der afghanischen Regierung mitteilte, wurden seit Beginn des Opferfests am Freitag 300 weitere Taliban-Kämpfer freigelassen. Damit sei die Zahl der freigekommenen Extremisten auf 4900 gestiegen. Allerdings weigerte sich die Regierung, Hunderte Kämpfer von der Forderungsliste der Taliban freizulassen, die sie als zu gefährlich einstuft.

Hintergrund ist eine Vereinbarung zu einem Gefangenenaustausch als Vorbereitung auf Friedensgespräche zwischen den Taliban und der Regierung. Kabul sollte 5000 Taliban aus Gefängnissen entlassen, die Aufständischen sollten dafür 1000 Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte freilassen.

Die USA und die Taliban hatten im Februar das Abkommen von Doha geschlossen. Ziel ist die Regelung des US-Truppenabzugs aus Afghanistan nach fast zwei Jahrzehnten Krieg. Im Gegenzug sollen die Taliban die Gewalt in Afghanistan reduzieren und Garantien dafür geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen. Dafür soll es ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Taliban geben. Bisher sind Versuche, das Abkommen auf den Weg zu bringen, gescheitert.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa