Politik

Anschlag in Silvesternacht Attentäter wählte "Reina" als Plan B

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Ein Polizist vor dem Nachtclub am Bosporus.

(Foto: dpa)

Der Attentäter von Istanbul ermordet 39 Menschen im Club "Reina". Ursprünglich soll er ein anderes Ziel für den Angriff im Visier gehabt haben. Etwas habe ihn aber daran gehindert, sagt er einem Bericht zufolge im Verhör.

Der Silvester-Attentäter von Istanbul hat den Anschlag nach eigener Aussage auf direkte Anweisung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) begangen. Die türkische Zeitung "Hürriyet" zitierte aus Vernehmungsprotokollen des geständigen Tatverdächtigen Abdulgadir Mascharipow. Diesen Aussagen zufolge war der Nachtclub "Reina" nur zum Ziel des Anschlags geworden, weil anderswo die Sicherheitsvorkehrungen zu hoch waren.

Mascharipow sagte dem Zeitungsbericht zufolge aus, er sei Mitte Dezember nach Istanbul gekommen, weil ihn aus der IS-Hochburg Al-Rakka in Syrien ein Befehl für einen Anschlag auf dem Taksim-Platz erreicht habe. "Ich kam am Silvesterabend am Taksim an, aber es gab sehr intensive Sicherheitsvorkehrungen, so dass ein Anschlag nicht möglich war", sagte Mascharipow dem Bericht zufolge aus.

"Ich bin dann wieder in Kontakt getreten mit der Person, die mir den Befehl erteilt hat, und wir waren uns einig, dass der Taksim sich nicht für einen Anschlag eignet", zitierte der Bericht weiter aus der Aussage. "Ich wurde angewiesen, in der Gegend ein neues Ziel zu suchen."

Weniger Sicherheitsmaßnahmen

Er sei dann im Taxi am Bosporus entlang gefahren, wo ihm der Nachtclub "Reina" aufgefallen sei, sagte Mascharipow weiter. "Es sah so aus, als ob die Sicherheitsmaßnahmen dort nicht besonders hoch waren."

Nach Rücksprache mit dem IS-Kontaktmann sei dann vereinbart worden, einen Anschlag auf den Nachtclub zu verüben. Er habe zuhause seine Waffe geholt, sei zu dem Nachtclub zurückgefahren und habe geschossen. Bei dem Anschlag starben 39 Menschen.

Unklar ist, unter welchen Umständen die Aussage zustande kam. Am Dienstag hatte die regierungsnahe Zeitung "Sabah" auf Twitter Fotos veröffentlicht, die Mascharipow bei seiner Festnahme Montagnacht im Istanbuler Stadtteil Esenyurt zeigen sollen. Darauf ist das Gesicht des Verdächtigen geschwollen und blutverschmiert. Am nächsten Tag veröffentlichten türkische Medien ein zweites Foto. Im Gesicht des mutmaßlichen Angreifers sind noch stärkere Verletzungen zu sehen. Auf der rechten Gesichtshälfte ist ein Bluterguss zu sehen und das Auge ist komplett zugeschwollen.

Der aus Usbekistan stammende Mascharipow war der türkischen Polizei nach mehr als zwei Wochen Großfahndung ins Netz gegangen. An diesem Mittwoch nahm die Polizei im Zusammenhang mit dem Attentat 27 weitere Verdächtige fest, die Verbindungen zum IS haben sollen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Die Zugriffe hätten in der zentraltürkischen Stadt Bursa stattgefunden.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa

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