Politik

Folgt Brasilien den USA? Auch Bolsonaro droht mit WHO-Austritt

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Eine Maske trägt er mittlerweile - doch "Gesundheitstipps" von der WHO will er nicht: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

Nachdem die Vereinigten Staaten der Weltgesundheitsorganisation den Rücken gekehrt haben, will nun auch Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro keine "Tipps bei der Gesundheit" mehr erhalten - und droht ebenfalls mit einem Austritt. Dabei entwickelt sich sein Land aktuell zu einem Corona-Hotspot.

Inmitten der sich zuspitzenden Corona-Krise in Brasilien droht Präsident Jair Bolsonaro mit einem Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation. Bolsonaro warf der WHO am Freitag vor, eine "parteiische politische Organisation" zu sein. Sollte sie dies nicht ändern, werde sein Land einen Austritt in Betracht ziehen, sagte er vor Journalisten.

Damit vertritt Bolsonaro eine ähnliche Position wie US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte zuletzt die Beziehungen der USA zur WHO aufgekündigt. Trump wirft ihr vor, vollkommen unter der Kontrolle Chinas zu stehen. "Die USA sind schon ausgetreten", sagte Bolsonaro dem Sender CNN Brasil. "Entweder die WHO arbeitet ohne ideologische Voreingenommenheit oder wir sind auch draußen."

Während die Vereinigten Staaten allerdings einer der größten Geldgeber der UN-Sonderorganisation gewesen waren, hatte Brasilien einem Bericht der Zeitung "Folha de S. Paulo" zufolge bereits 2019 aufgehört, Beiträge zu zahlen. Demnach stehen von dem größten Land in Lateinamerika Zahlungen von 33 Millionen US-Dollar aus.

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In Brasilien wurden nach offiziellen Angaben mittlerweile mehr als 600.000 Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt. Mehr als 35.000 Infizierte sind gestorben. Das ist die dritthöchste Zahl weltweit hinter den USA und Großbritannien. Die neuen Todesfälle lagen in Brasilien zuletzt über mehrere Tage auf Rekordniveau.

Bolsonaro dringt trotzdem darauf, dass die Bundesstaaten die Beschränkungen des öffentlichen Lebens rasch zurückfahren. Nach seiner Darstellung sind die wirtschaftlichen Schäden größer als die Gesundheitsrisiken für die Allgemeinheit. "Wir brauchen keine Leute von außerhalb, die uns Tipps bei der Gesundheit hier geben", sagte er mit Blick auf die Empfehlungen der WHO.

Er verwies auf die Kontroverse, die die WHO mit ihren Tests mit Hydroxychloroquin bei der Covid-19-Behandlung verursacht habe. "Wofür braucht man diese WHO? Die WHO hat vor einigen Tagen empfohlen, die Studien zu Hydroxychloroquin nicht fortzusetzen, und jetzt nimmt sie sie wieder auf", sagte der rechte Präsident. Wie Trump verspricht er sich von dem umstrittenen Malariamittel Hilfe gegen die grassierende Coronavirus-Pandemie.

Mit seinen Forderungen löst Bolsonaro im Inland parteiübergreifend scharfe Kritik aus. Die WHO warnt die Regierungen in Lateinamerika, wo insgesamt mehr als 1,1 Millionen Infektionen ermittelt wurden, vor vorschnellen Lockerungen. Zunächst müsse die Verbreitung des Virus verlangsamt werden, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris in Genf.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/rts