Politik

Von Myanmars Militär entmachtet Aung San Suu Kyi offenbar verschleppt

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Klare Forderungen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Proteste gegen den Putsch des Militärs in Myanmar halten an. Neben gewalttätigen Konflikten wird nun die entmachtete Regierungschefin Suu Kyi vermisst. Ihre Partei lässt verlauten, man wisse nicht, wo sich die Friedensnobelträgerin aufhalte.

In Myanmar ist die vom Militär entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi einem Medienbericht zufolge an einen unbekannten Ort gebracht worden. "Wir wissen nicht mehr, wo sie ist", zitierte die Nachrichten-Website "Myanmar Now" einen Vertreter von Suu Kyis Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD). Die 75-jährige Friedensnobelpreisträgerin war nach dem Militärputsch Anfang Februar in der Hauptstadt Naypyitaw unter Hausarrest gestellt worden. In den beiden größten Städten des Landes - Rangun und Mandalay - gibt es seit Wochen teils gewalttätige Demonstrationen für die Wiedereinsetzung der gewählten Regierung.

Viele Länder haben das Vorgehen der Militärs scharf kritisiert, unter anderem die Staatengemeinschaft der sieben wichtigsten Industrieländer (G7). Myanmars Militär hatte am 1. Februar geputscht. An dem Tag hätte das am 8. November gewählte Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen sollen. Die NLD hatte die Wahl mit großem Vorsprung gewonnen, das Militär erkennt das Ergebnis aber nicht an und spricht von Betrug. Größere Unregelmäßigkeiten waren von Beobachtern jedoch nicht festgestellt worden.

Dennoch hat der von der Militärjunta eingesetzte neue Chef der Wahlkommission das Ergebnis der Parlamentswahl nun für ungültig erklärt. Die beim Volk sehr beliebte Regierungschefin Suu Kyi hatte die Abstimmung mit klarem Vorsprung gewonnen. Thein Soe habe die Entscheidung bei einem Treffen mit politischen Parteien des südostasiatischen Landes mitgeteilt, berichtete die Zeitung "The Irrawaddy". Der Schritt der Wahlkommission heizte die Proteste im früheren Birma erneut an.

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Die Sicherheitskräfte gehen derweil mit zunehmender Gewalt gegen friedliche Demonstranten vor. In der größten Stadt Rangun feuerte die Polizei an mehreren Orten, an denen Kundgebungen gegen die Junta stattfanden, Schüsse ab und nahm Teilnehmer fest, wie Augenzeugen in sozialen Netzwerken berichteten. Das Nachrichtenportal "Frontier Myanmar" sprach von "der brutalsten Niederschlagung" der Proteste in Rangun seit dem Putsch vom 1. Februar. "Wenn die Leute sich nicht zerstreuen, werden wir sie mit Gewalt auseinander treiben müssen", erklärte die Polizei an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Mindestens sechs Menschen wurden festgenommen, darunter ein japanischer Journalist.

Auch in der nördlichen Stadt Mandalay hätten Beamte mit scharfer Munition und Gummigeschossen versucht, Demonstranten auseinanderzutreiben. Berichten zufolge wurden auch dort viele Teilnehmer inhaftiert. In den vergangenen Wochen waren mindestens drei Menschen von Einsatzkräften erschossen worden. Schon in der Vergangenheit hatte das Militär, das im früheren Birma fast 50 Jahre an der Macht war, jeden Widerstand unterdrückt. Von den Sanktionen, die zuletzt unter anderem die USA und Großbritannien auf den Weg gebracht hatten, zeigen sich die Generäle bislang unbeeindruckt.

Quelle: ntv.de, tsi/rts/dpa