Politik

Labor verliert trotz Umfragehoch Australiens Premier Morrison feiert Wahlsieg

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Australiens konservativer Premier Morrison freut sich im Familienkreis über das unerwartete Wahlergebnis.

(Foto: REUTERS)

Australiens konservativer Premierminister Scott Morrison kann sein Amt wahrscheinlich behalten. Allen Umfragen zum Trotz gewinnt sein Mitte-Rechts-Bündnis die Parlamentswahl vor der sozialdemokratischen Labor-Opposition. Seine Erklärung: "Ein Wunder".

Bei der Parlamentswahl in Australien hat sich entgegen aller Erwartungen die liberal-konservative Regierung durchgesetzt. Dem australischen Sender ABC zufolge liegt die Koalition unter Premierminister Scott Morrison vorne. Unklar ist, ob der Vorsprung für eine Mehrheitsregierung reicht oder ob es auf eine Minderheitsregierung hinausläuft. Bill Shorten, Vorsitzender der oppositionellen Labor-Partei, räumte seine Niederlage ein und erklärte seinen Rücktritt.

Premierminister Morrison sprach angesichts des unerwarteten Siegs von einem "Wunder". Er hatte das Amt des Regierungschefs erst im August nach einem parteiinternen Putsch gegen seinen Amtsvorgänger Malcolm Turnbull übernommen.

"Es ist offensichtlich, dass Labor die nächste Regierung nicht bilden kann", sagte Oppositionsführer Shorten vor ungläubigen Anhängern in Melbourne. Er habe Morrison bereits gratuliert und werde als Parteivorsitzender zurücktreten.

Klimaschutz: Ökologische Kandidaten sammeln Punkte

Erste Nachwahlbefragungen hatten noch die Labor-Partei mit 52 Prozent vorne gesehen. Auch in Umfragen vor der Wahl hatte sich eine Wahlniederlage für die Regierungskoalition abgezeichnet. Mit einer Negativkampagne und Unterstützung des größten australischen Medienunternehmens, das zum Imperium des Medienmoguls Rupert Murdoch zählt, konnte Morrison in den Umfragen jedoch wieder aufholen. Seine Wahlkampagne zielte vor allem auf ältere, wohlhabende Wähler ab, deren Steuererleichterungen unter einer Labor-Regierung teilweise hätten abgeschafft werden können.

Beobachter hatten damit gerechnet, dass dieses Mal erstmals das Thema Klimaschutz wahlentscheidend sein könnte. Dazu trugen auch die schweren Überschwemmungen, Waldbrände und Dürren in den vergangenen Monaten bei. Australien ist eine der am meisten durch den Klimawandel gefährdeten Industrienationen.

In den traditionell konservativen ländlichen Gebieten fordern Landwirte daher mehr Engagement der Regierung gegen den Klimawandel. Auch in einigen wohlhabenden Vororten holten ökologische Kandidaten in Umfragen gegenüber etablierten konservativen Politikern auf.

Der ehemalige Premierminister Tony Abbott, der den Klimawandel einstmals als "Unsinn" bezeichnet hatte, verlor seinen Sitz nach mehr als zwei Jahrzehnten an seine Herausforderin Zali Steggall, eine ehemalige Skirennläuferin. Er räumte seine Niederlage drei Stunden nach Schließung der Wahllokale ein.

Shorten hatte im Wahlkampf versprochen, den Anteil erneuerbarer Energien zu steigern. Die Konservativen erklärten hingegen, sie wollten die Wirtschaft des Landes nicht gefährden, die sich auf den Kohle-Export stützt. Australien zählt zu den größten Kohle-Exporteuren der Welt, Tausende Jobs hängen an der Branche.

Üble Stimmungsmache im Wahlkampf

Der Wahlkampf ähnelte in weiten Teilen einer Schlammschlacht. Einige Politiker mussten ihre Kandidatur nach rassistischen und sexistischen Äußerungen in sozialen Netzwerken zurückziehen. Im Wahlbezirk von Ex-Premierminister Abbott wurde ein 62-Jähriger festgenommen, nachdem er einem Wahlhelfer, der Plakate aufhängte, mutmaßlich einen Korkenzieher in den Bauch rammte.

In Australien herrscht Wahlpflicht. Rund 17 Millionen Bürger mussten demnach ihre Stimme abgeben. Neu zu besetzen waren 151 Sitze im Unterhaus. Die größte Partei innerhalb einer Regierungskoalition stellt automatisch den Premierminister. Wechselt die Parteispitze, wechselt somit auch der Regierungschef. Dies führte dazu, dass Australien in den vergangenen elf Jahren sechs verschiedene Premierminister hatte.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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