Politik

Exportstopp von Medizinprodukten BDI warnt vor Dominoeffekt

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Kein Land deckt die gesamte Produktionskette ab. Deshalb bleibe der internationale Handel wichtig, sagt der BDI.

(Foto: dpa)

Mindestens 25 Staaten haben im Zuge der Corona-Pandemie Ausfuhrbeschränkungen für Schutzmasken und ähnliche Artikel verhängt. Doch das Prinzip "Jeder ist sich selbst der Nächste" bringt massive Probleme mit sich.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor Beschränkungen bei der Ausfuhr von Medizingütern und persönlicher Schutzausrüstung. "Kein Land produziert alle notwendigen Produkte zur medizinischen Versorgung oder die dafür benötigten Vorprodukte", heißt es in einem Positionspapier des Industrieverbands BDI, das der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.

"Nationale Exportrestriktionen machen uns nicht krisenfester", warnte BDI-Chef Dieter Kempf. "Sie verursachen Dominoeffekte anderswo mit dramatischen Folgen." Etwa dann, wenn eine Produktion stocke, weil ihr die Ausstattung mit Schutzausrüstung fehle. "Wenn jedes Land seine Waren zurückhält, hat im Ergebnis kein Land alle für die Pandemiebewältigung benötigten Produkte."

Ohne Schutz keine Produktion

So gefährdeten die Beschränkungen beim Export von Schutzanzügen, Atemmasken oder Handschuhen beispielsweise auch die Fertigung in sogenannten Reinräumen - klinisch sauberen Umgebungen, wie es sie auch in der Arzneimittel-Herstellung gibt: Ohne Schutz keine Produktion. "Gerade in der Krise zeigt sich, wie wichtig der Einsatz für einen offenen Welthandel ist", sagte Kempf. Gefragt seien nun die führenden Industrie- und Schwellenländer der Staatengruppe G20, fordert der BDI-Chef. Sie müssten rasch damit beginnen, die Beschränkungen wieder abzubauen. Europa, so Kempf, solle dabei "mit gutem Beispiel vorangehen."

Bei der Welthandelsorganisation WTO haben laut Zeitungsbericht derzeit 25 Länder solche Ausfuhreinschränkungen angemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte aber "deutlich höher ausfallen", heißt es in dem Papier. Nicht alle Staaten hätten ihre Restriktionen angemeldet. Schätzungen gingen von mehr als 50 Staaten mit Beschränkungen aus.

Erst am Montag hatten auch WTO und die Weltgesundheitsorganisation WHO die Staaten vor einem Eigentor im Kampf gegen das Corona-Virus gewarnt. "Die Handelsentscheidungen der Staaten beeinflussen signifikant beides - ob sie selbst medizinische Ausrüstung bekommen und ob sie dort verfügbar ist, wo sie dringend nötig ist", erklärten die Chefs von WTO und WHO, Roberto Azevêdo und Tedros Ghebreyesus. Zuvor hatte die amerikanische Handelskammer gewarnt, das Problem könne sich sogar multiplizieren, wenn Staaten auf Einschränkungen anderer Länder mit Gegen-Einschränkungen reagieren.

Quelle: ntv.de, ino/rts