Politik

"Sehr gut aussehend"BND schnüffelte auch Brandts Freundin aus

16.06.2018, 09:56 Uhr

Willy Brandt war vieles: SPD-Chef, Kanzler und Friedensnobelpreisträger. Für den BND war er aber vor allem ein verdächtiges Subjekt. Schon früh setzte er Spione auf Brandt und dessen Freundin an.

Der Bundesnachrichtendienst BND hat sich offenbar schon in den 1950er Jahren für den SPD-Politiker Willy Brandt interessiert. Dies zeigen einem "Spiegel"-Bericht zufolge Akten der Behörde. In BND-Papieren vom 27. November 1950 soll er dabei als "großer Arbeiter" und "erheblicher Streber" bezeichnet worden sein. Brandt war damals Mitglied des Bundestags, später wurde er SPD-Chef und von 1969 bis 1974 Bundeskanzler.

Dem Bericht zufolge sammelte der BND 1958 Informationen auch über eine Freundin des verheirateten Politikers und beschrieb diese als "sehr gut aussehend". Das Amt für Sicherheit der Bundeswehr, der heutige Militärische Abschirmdienst (MAD), soll die Frau ebenfalls überwacht haben. Den Geheimdienstlern zufolge nutzte Brandt, der damals Regierender Bürgermeister Berlins war, "mehrfach eindeutig" die Wohnung der Freundin. Dies hätten Observationen der Kollegen vom Amt ergeben.

Laut "Spiegel" gingen Experten bisher davon aus, dass der BND erst 1960 den Auftrag erhielt, das Privatleben Brandts auszuleuchten. Die Aufforderung hierzu soll vom Kanzleramt Konrad Adenauers gekommen sein.

Die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung hatte beim BND die Aktenfreigabe beantragt. Dieser gab daraufhin 30 Blatt, darunter auch Zeitungsartikel, heraus. Der Behörde zufolge sind zwei weitere Dokumente noch gesperrt. Mehr sei im Archiv über Brandt, der auch den Friedensnobelpreis erhielt, nicht zu finden. Bei der Willy-Brandt-Stiftung hält man diese Aussage für "schwer nachvollziehbar".

Ende vergangenen Jahres war bereits bekannt geworden, dass der BND Brandt umfangreich überwacht hatte. Um ihn und andere führende Sozialdemokraten auszuspionieren, hatte er sogar einen Spitzel in der Parteizentrale platziert. BND-Chef Reinhard Gehlen sah in Brandt, der als Sozialist 1933 aus Nazideutschland emigriert war, vor allem einen Vaterlandsverräter. Der BND beobachtete dabei nicht nur den SPD-Politiker, vielmehr versuchte er offenbar auch, ihn mit Gerüchten über Frauengeschichten und über seine Rolle im Spanischen Bürgerkrieg zu verleumden. Der BND ist eigentlich nur für die Auslandsaufklärung zuständig.

Quelle: ghö

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