Politik

Ein Verdächtiger kommt frei Barcelona-Attacke: Zwei Haftbefehle erlassen

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Einer der vier Verdächtigen auf dem Weg zum Gericht.

(Foto: AP)

Vier mutmaßliche Attentäter sind nach den Terroranschlägen in Spanien noch am Leben. Aber nur einer gibt die Tat zu. Ein Richter verhängt gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der Terrorzelle Haftbefehle, ein anderer Verdächtiger ist wieder auf freiem Fuß.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag in Barcelona ist am Dienstagabend gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Extremistenzelle Haftbefehl erlassen worden. Den Verdächtigen Mohamed Houli Chemlal und Driss Oukabir wird Mord sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Nach Justizangaben sagte Chemlal dem obersten spanischen Gericht, man habe eigentlich mehrere große Bombenanschläge geplant.

Chemlal ist demnach von den vier überlebenden mutmaßlichen Mitgliedern der einzige, der eine Tatbeteiligung zugegeben hat. Die drei anderen Männer weisen die Vorwürfe zurück. Chemlal sagte vor Gericht aus, für die Bombenanschläge seien Kirchen und Denkmäler im Visier gewesen, darunter die weltberühmte Basilika Sagrada Familia. Nach der Explosion in der Bombenwerkstatt habe man aber die Pläne geändert.

Oukabir habe zwar gestanden, den für den Anschlag in Barcelona benutzten Lieferwagen und ein weiteres Fahrzeug gemietet zu haben, hieß es weiter. Er habe nach eigenen Angaben aber gedacht, dass seine Bekannten damit einen Umzug machen wollten. Der Richter schenkte ihm aber offensichtlich keinen Glauben.

Frei aus Mangel an Beweisen

Ein anderer Verdächtiger wurde unter Auflagen freigelassen. Dabei handelt es sich um den 27-jährigen Mohamed Allaa, den Besitzer des Wagens, der bei der vereitelten Attacke in Cambrils benutzt worden war. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine Beweise für eine Tatbeteiligung, ihm gehöre lediglich das Tatfahrzeug, schrieb der Richter in seiner Begründung. Allaa muss sich regelmäßig bei der Polizei melden und darf Spanien nicht verlassen. Außerdem wird weiter gegen ihn ermittelt.

Auf Haftentlassung kann auch der 34 Jahre alte Sahal el Karib hoffen. Der Richter will innerhalb von drei Tagen entscheiden, ob der Verdächtige auf freien Fuß gesetzt wird oder in Gewahrsam bleibt, hieß es aus Justizkreisen.

Zwei Festnahmen in Marokko

Wegen mutmaßlicher Verbindungen zu der Gruppe wurden einem Fernsehbericht zufolge in Marokko zwei Männer festgenommen. Ein 28-Jähriger soll geplant haben, die spanische Botschaft in der Stadt Rabat anzugreifen, wie der Sender 2M berichtete. Der zweite Verdächtige soll in der spanischen Stadt Ripoll gelebt haben, wo auch mehrere der mutmaßlichen Attentäter wohnten.

Bereits am Montag erschoss die spanische Polizei einen 22-jährigen Marokkaner. Er war den Ermittlungen zufolge in der vergangenen Woche mit einem Lieferwagen über eine Promenade in Barcelona gerast und hatte 13 Menschen getötet. Kurz darauf kam in der Kleinstadt Cambrils eine Frau bei einem weiteren Anschlag ums Leben. Die fünf Angreifer dort wurden umgehend von der Polizei erschossen.

Zu den Taten bekannte sich die Extremistenmiliz Islamischer Staat. Bereits einen Tag vor den Anschlägen kam ein Imam bei einer Explosion ums Leben, der den Ermittlern zufolge der Chef der Gruppe war. Er starb demnach in einem Haus, in dem die Zelle Bomben bauen wollte.

Quelle: ntv.de, hul/rts/AFP/dpa