Politik

Aus Gedenken wird Chaos Behörden verhängen Notstand in Ferguson

Friedlich soll an den Tod von Michael Brown erinnert werden. Aber in Ferguson geht es wieder drunter und drüber. Schusswechsel, Rauchbomben, Chaos - die Behörden ziehen die Notbremse.

Nach dem schweren Schusswechsel mit der Polizei am Rande von Demonstrationen in der US-Stadt Ferguson haben die Behörden den Notstand ausgerufen. Gewaltakte würden nicht länger toleriert, teilte der zuständige St. Louis County mit. Ferguson ist eine Vorstadt von St. Louis.

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Einschusslöcher in Polizeiwagen

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Polizeichef von St. Louis, Jon Belmar, übernehme unverzüglich die Polizeiführung in Ferguson und Umgebung. Er werde alles Notwendige tun, "um die Ordnung aufrecht zuhalten, Verbrechen zu verhindern und das Leben und Eigentum unserer Bürger zu schützen", hieß es in der Mitteilung der Behörde. 

Zugleich meldete der TV-Sender CNN, vor dem Gerichtsgebäude in St. Louis seien mehrerer Dutzend Demonstranten festgenommen worden. Mehrere US-Sender zeigten Bilder, wie sich Demonstranten ohne Widerstand zu leisten abführen ließen.

Chaotische Zustände

Die Aktionen waren im Zuge des Gedenkens an den Tod Michael Browns vor einem Jahr erwartet worden. Der unbewaffnete Afroamerikaner war damals von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der Tod hatte schwere Unruhen ausgelöst und eine Diskussion über offenen und latenten Rassismus in den USA entfacht.

Nach zunächst friedlichen Protesten am Sonntag hatte ein Mann nach Angaben der Polizei das Feuer auf vier Beamte in Zivil eröffnet. Darauf schoss die Polizei zurück und verletzte den Schützen schwer. Er liege nach einer Operation in kritischem Zustand in einem Krankenhaus. Die vier an der Schießerei beteiligten Beamten seien beurlaubt worden, sagte Belmar.

Nach einem Bericht des "St. Louis Post-Dispatch" soll der 18-Jährige Schütze dem getöteten Brown nahegestanden haben. Die Zeitung berichtete von chaotischen Szenen, als Polizisten, Journalisten und Demonstranten über die Straße rannten, um sich hinter geparkten Autos vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Die Polizei sprach von "heftigem Beschuss" und veröffentlichte ein Foto der durchschossenen Frontscheibe eines Autos. Die Polizei setzte darauf Rauchbomben ein, um die Menschenmenge auseinanderzutreiben.

Quelle: ntv.de, bad/dpa