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Parteitag der SPD Bei Nahles war nicht alles so schlecht

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Jubel für die neue Chefin: Andrea Nahles nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jut)

Fünf Mal lädt die SPD in gut einem Jahr zum Parteitag. Am Ende schreiben die Sozialdemokraten Geschichte und wählen eine Frau an die Spitze. Die Delegierten sehnen sich nach Ruhe - doch wieder einmal beginnt die Arbeit erst.

Irgendwie nur noch einen Haken drunter. Die SPD hofft, mit der Wahl von Andrea Nahles zur Parteichefin wieder so etwas wie Normalität in die eigenen Reihen zu bekommen. Nötig sei nun eine Phase der Konsolidierung, sagt der Delegierte Michael Ebling aus Rheinland-Pfalz. Es seien unruhige Zeiten gewesen, es gebe viele Narben aus den vergangenen Monaten, sagt Robert Drewnicki aus Berlin. Und nun soll es Andrea Nahles richten. Im Duell mit Simone Lange um den Vorsitz hielt sie eine höchstens solide Rede. Doch das reichte, weil die Herausforderin aus Flensburg einen kraftlosen Auftritt hinlegt hatte. Am Ende folgen Nahles dennoch nur zwei Drittel der Delegierten. Nur Oskar Lafontaine hat ein noch schlechteres Ergebnis eingefahren.

Nahles soll das Ergebnis nun einfach abschütteln, sagt Drewnicki. Sie habe das klarere Angebot gehabt. Für Daniel Rinckert vom Kreisverband Rhein-Kreis Neuss war die Rede überzeugend. Dagegen sei Langes Auftritt enttäuschend und ohne Visionen gewesen. Er habe sich von der 41-Jährigen mehr erhofft. "Wenig inhaltsstark", sagt Michael Ebling. Nur Allgemeinplätze, ergänzt Drewnicki. Beide waren engagiert - Nahles aber überzeugender, sagt Holzner. Für Susi Möbbeck aus Sachsen-Anhalt spiegelt das Ergebnis für Lange auch wieder, dass viele Delegierte ihr diese Aufgabe nicht zutrauen.

Doch welche Aufgabe ist es, die nun auf die Parteivorsitzende zukommt? Die SPD leidet weiter unter der Agenda 2010. In Umfragen geht es kontinuierlich abwärts. Die Union attackiert seit Tagen den Koalitionsvertrag. Der Fall des vorherigen Parteichefs Martin Schulz ist inzwischen mit dem Begriff tragisch am besten beschrieben. Es brauche ein gutes Maß an Erneuerung und guter Politik, sagt Udo Lutz aus Baden-Württemberg. Die Partei sei dazu da, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. "Wir müssen das Lebensgefühl der Menschen wieder mit der Wirklichkeit verbinden", sagt Ebling. Die SPD müsse den Koalitionsvertrag gegen die Attacken aus der Union verteidigen, sagt Möbbeck. "Das Versprechen auf soziale Sicherheit muss erneuert werden", sagt Rinkert. "Wir müssen wieder mehr miteinander reden", sagt Martina Holzner aus dem Saarland.

Nahles umarmt die Delegierten

Tatsächlich hatte Lange einiges davon versprochen. "Wir brauchen eine neue Programmatik", hatte sie gefordert. Die soziale Frage müsse dabei im Zentrum stehen. Die SPD habe den Menschen in den vergangenen Jahren viel Solidarität abgerungen. "Es kann nicht sein, dass wir immer wieder Ausnahmen in unseren Zielen zulassen." Für sie bestehe der "Schlüssel zum Erfolg der Sozialdemokratie" wie die Partei "mit der Agendapolitik" umgeht. Über Hartz IV zu sprechen sei keine Vergangenheitsdebatte. "Für Millionen Menschen ist das Alltag." Diese hätten auf die SPD gesetzt und die "haben wir enttäuscht".

Nahles dagegen schlug den Bogen weiter und verortete die SPD in der Weltpolitik. Ihre Positionen sind leidlich bekannt. Ihre Appelle wie immer kraftvoll - manchmal aber auch nur das. Doch anders als Lange, die mangelnden Teamgeist und fehlende Offenheit in der SPD beklagt, umarmt Nahles die Delegierten. Ihren Werdegang verdanke sie der SPD. Die Partei habe "meinen Gedanken, Träumen und Sehnsüchten eine Heimat gegeben", sagt sie. Lange will den Neuanfang, bei Nahles war nicht alles so schlecht. Das ist ein feiner Unterschied - und kommt bei einer erschöpften Partei besser an. Nahles will nicht über die Agenda 2010 reden - sondern über 2030. Programmatisch will sie weiter Solidarität und Gerechtigkeit ins Zentrum stellen.

"Man kann die Partei auch in der Regierung erneuern", sagt Nahles. "Diesen Beweis will ich ab morgen antreten." Lange hatte die Wahl zur Abstimmung über Aufbruch oder Weiter so erhoben. "Mich zu wählen bedeutet Mut. Aber ohne den geht es nicht. Ich bin die richtige für echte Erneuerung der Sozialdemokratie." Am Ende folgt ihr ein Drittel der mehr als 600 Delegierten und Vorstandsmitglieder. "Es wäre zu wünschen gewesen, wenn die Kandidaten die Dimension der Aufgabe durchmessen können", sagt Ebling. Haken drunter, sagt Lutz aus Baden-Württemberg. Es war der fünfte SPD-Parteitag in den vergangenen 13 Monaten.

Quelle: n-tv.de

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