Politik

Putin und Erdogan in Sotschi Bei einem Thema sind sie sich nicht einig

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Sie wollen "eine ganz neue Seite in den türkisch-russischen Beziehungen aufschlagen": Erdogan und Putin.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Der russische und türkische Staatschef zelebrieren ihren politischen Schulterschluss in Sotschi. Doch bei dem Treffen zwischen den Präsidenten Erdogan und Putin sind nicht nur Wohlfühlthemen auf der Tagesordnung. Das Vorgehen Ankaras in Syrien stößt beim Kreml auf wenig Gegenliebe.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich bei seinem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan für die Unterzeichnung eines Abkommens zur Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder ausgesprochen. "Ich hoffe, dass wir heute ein entsprechendes Memorandum über die Entwicklung unserer Handels- und Wirtschaftsbeziehungen unterzeichnen können", sagte Putin bei dem Treffen in der russischen Schwarzmeer-Hafenstadt Sotschi.

"Ich glaube, dass (das heutige Treffen) eine ganz neue Seite in den türkisch-russischen Beziehungen aufschlagen wird", sagte Erdogan. Er fügte hinzu, dass insbesondere der Konflikt in Syrien zur Sprache kommen werde. Die Türkei hält bereits Gebiete in Nordsyrien besetzt und begründet eine erneute Militäroffensive mit "terroristischer Bedrohung" vonseiten der syrischen Kurdenmiliz YPG, die Ankara als Terrororganisation ansieht. Schon beim vergangenen Treffen von Erdogan und Putin Mitte Juli hatte der russische Präsident klargemacht, dass er die türkischen Pläne ablehnt.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow warnte vor dem Treffen der beiden Staatschefs die Türkei vor einer Destabilisierung Syriens durch eine neue Militäroffensive. "Die Türkei hat aus Sicherheitsgründen berechtigte Interessen, die wir natürlich berücksichtigen", sagte Peskow. Es sei aber "sehr wichtig, keine Maßnahmen zuzulassen, die zu einer Destabilisierung der Situation in Syrien führen oder die territoriale und politische Integrität Syriens gefährden könnten". Moskau und Ankara verfolgen in Syrien stark unterschiedliche Interessen. Während Russland den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt, steht die Türkei auf der Seite einiger Rebellengruppen.

Dank für Vermittlung bei Getreide-Abkommen

Bei dem Treffen in Sotschi geht es auch um die Ukraine. Putin dankte Erdogan für dessen Vermittlung im Konflikt um Getreideexporte über das Schwarze Meer sowie bei einer "Paketlösung über die störungsfreie Lieferung russischer Lebens- und Düngemittel auf die Weltmärkte", die mit den UN vereinbart wurde. Agrarexporte über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen waren wegen des russischen Angriffskrieges zuletzt monatelang blockiert gewesen.

Die Kriegsgegner Ukraine und Russland hatten am 22. Juli unter UN-Vermittlung jeweils getrennt mit der Türkei ein Abkommen unterzeichnet, um von drei Häfen Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen. Im Zuge der Einigung unterzeichneten die UN und Russland auch eine separate Absichtserklärung. Diese sieht nach UN-Angaben vor, den Export von russischen Lebensmitteln und Düngemitteln zu fördern.

Putin lobte zudem die aus Russland und über die Türkei verlaufende Pipeline Turkstream. Die sei nicht nur eine der wichtigsten Versorgungsadern Europas, sondern funktioniere "im Gegensatz zu anderen Richtungen unserer Kohlenstofflieferungen störungsfrei, dynamisch und ohne Ausfälle", so der Kremlchef mit Blick auf die seit Juni zurückgefahrenen Gasliefermengen bei der Pipeline Nord Stream 1.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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