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Anne Hidalgo hoch im Kurs Bekommt Frankreich die erste Präsidentin?

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Hidalgo wurde im Juni mit deutlicher Mehrheit in ihrem Amt als Bürgermeisterin von Paris bestätigt.

(Foto: AP)

Sie ist die Tochter von Einwanderern, bekennende Feministin und im siebten Jahr Bürgermeisterin von Paris. Anne Hidalgo könnte Macron bei der Präsidentschaftswahl 2022 gefährlich werden. Bald muss sich die Sozialistin entscheiden, ob sie gegen den Staatschef antreten will.

Sie ist eine der einflussreichsten Frauen Frankreichs, und manche sehen in ihr bereits die erste Präsidentin des Landes: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo wird hoch gehandelt, wenn es um Herausforderer für den unbeliebten Präsidenten Emmanuel Macron geht. Im kommenden Jahr muss die Sozialistin die Karten auf den Tisch legen, wenn sie sich im Frühjahr 2022 für das höchste Amt im Staat bewerben will.

61 Jahre alt, als Ana María Hidalgo Aleu in Südspanien geboren und im siebten Jahr Bürgermeisterin von Paris - so lautet der Steckbrief der Politikerin, die sich aus einer bescheidenen Einwandererfamilie hochgearbeitet hat. Hidalgo habe "das Zeug zur Präsidentin", sagt die Fraktionsvorsitzende ihrer Sozialistischen Partei (PS), Valérie Rabault. Vor allem könne Hidalgo außerhalb der traditionellen Anhängerschaft mobilisieren. Das ist fast noch wichtiger, denn seit dem Wahldebakel 2017 ist die Partei von Ex-Präsident Francois Hollande nahezu in der Versenkung verschwunden.

Dafür gibt es die Vorzeigefrau Hidalgo. Sie wurde im Juni mit deutlicher Mehrheit für eine sechsjährige Amtszeit in Paris bestätigt. Im Bündnis mit den Grünen vertritt sie die sozial-ökologische Wende, die sich viele auch auf nationaler Ebene erhoffen.

Eine grüne Oase - so stellt sich Hidalgo die französische Hauptstadt vor. Sie will Autos aus der Stadt verbannen, baut Fahrrad-Schnellwege und Parks aus und will mehr Sozialwohnungen schaffen. Die Corona-Pandemie scheint ihr recht zu geben: Laut dem nationalen Statistikamt Insée floh 2020 mehr als jeder zehnte der gut zwei Millionen Pariser - im Großraum sind es zwölf Millionen - vor dem Virus und der Enge aufs Land.

Größte Hürde heißt Mélenchon

Auf die Frage zu einer Präsidentschaftskandidatur antwortete Hidalgo zuletzt wie die Sphinx: "Ich werde meinen Beitrag dazu leisten." Allerdings gibt es Hürden. Die größte heißt Jean-Luc Mélenchon. Der 69-jährige Chef der Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) will noch ein letztes Mal gegen Macron antreten. Chancen hat der polternde Populist nicht. Aber er könnte das linke Lager wie bei der Präsidentenwahl 2017 spalten.

Auch Hidalgos Bündnis mit den Grünen steht auf tönernen Füßen - denn wie in Deutschland dürfte die bei den Kommunalwahlen erstarkte Partei einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. "Zwischen Sozialisten und Grünen hat der Kampf um die Vorherrschaft begonnen", sagt ein Beobachter aus dem linken Lager.

Anhänger loben Hidalgos "Widerstandskraft" und ihr "politisches Talent". Die frühere Arbeitsinspektorin trat 1994 in die Sozialistische Partei ein und kam drei Jahre später in das Kabinett von Arbeitsministerin Martine Aubry, zu Zeiten der "cohabitation", der sozialistischen Regierung unter dem konservativen Präsidenten Jacques Chirac.

Amtszeit mit Terroranschlägen und Corona

Ihr Parteigenosse Bertrand Delanoë machte Hidalgo 2001 nach seiner Wahl zum Pariser Bürgermeister zur Stellvertreterin. Nach Delanoës Rückzug holte die Mutter zweier Kinder bei der Kommunalwahl 2014 selbst den Sieg. In Hidalgos Amtszeit fielen die Terroranschläge von 2015 und die teils gewaltsamen Proteste der "Gelbwesten" und gegen Macrons Rentenreform. Zuletzt brachte die Corona-Pandemie Kulturleben, Gastronomie und Tourismus zum Stillstand.

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Kritiker werfen Hidalgo vor, die "Stadt der Liebe" verlottern und kriminelle Banden gewähren zu lassen. "Paris ist nicht sauber genug", räumt auch die Bürgermeisterin ein. Bis zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 solle sich das ändern, verspricht sie. Die Kassen sind allerdings leer.

Wäre Frankreich überhaupt bereit für eine bekennende Feministin wie Hidalgo? Gerade erst wurde die Stadt Paris vom Verwaltungsministerium zu einer Geldbuße von 90.000 Euro verdonnert - weil sie mehr Frauen auf Führungsposten beschäftigt als vorgesehen. Hidalgo nannte dies "absurd" - und kündigte an, das Bußgeld persönlich im Ministerium abgeben zu wollen.

Quelle: ntv.de, Stephanie Lob, AFP